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Tanken bald billiger? Reiche dämpft plötzlich Erwartungen


Autor: Nadine Wüste, Alexander Milesevic, Agentur dpa

Berlin, Donnerstag, 12. März 2026

Aufgrund der teuren Spritpreise plant die Regierung erste Maßnahmen, um Pendlerinnen und Pendler finanziell an der Zapfsäule zu entlasten. Die Monopolkommission spricht sich ebenfalls für die Maßnahmen aus.
Die Bundesregierung plant eine Preisobergrenze für Kraftstofferhöhungen, um den Anstieg der Spritpreise seit dem Iran-Krieg einzudämmen.


Update vom 12.3.2026, 19.10 Uhr: Tanken bald billiger? Reiche dämpft plötzlich Erwartungen

So schnell dürften Autofahrer noch nicht aufatmen: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche dämpft Erwartungen an eine Einführung der neuen Regel für Tankstellen bereits in der kommenden Woche. Die CDU-Politikerin sagte bei der Eröffnung des neuen Heizwerks Memmingen-Benningen in Bayern: "Wir suchen derzeit ein Trägergesetz, also Gesetzgebung muss auch schon noch ordentlich erfolgen." Darüber werde mit den Koalitionsfraktionen gesprochen, geplant seien Fristverkürzungen. "Ein Trägergesetz, ob das in der nächsten Woche schon stattfinden kann, kann ich Ihnen nicht sagen", sagte Reiche. "Aber die Aufgabe besteht darin, so schnell wie möglich, aber eben auch keine Fehler bei der Gesetzgebung machen."

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Das soll preisdämpfend wirken. "Trägergesetz" bedeutet, dass die Änderung der Tankregel an einen anderen Gesetzentwurf angehängt wird, um Zeit zu sparen. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Armand Zorn, hatte der Bild-Zeitung gesagt: "Jetzt muss diese Einmal-täglich-Regel schnell umgesetzt werden. Wenn möglich, schon in der kommenden Woche." Reiche hatte am Dienstag gesagt, das neue Modell solle so rasch wie möglich eingeführt werden. 

"Einschränkungen bei der Preisgestaltung würden den Wettbewerb schwächen statt stärken", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des Bundesverbands Freier Tankstellen, des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie und des Zentralverbands des Tankstellengewerbes. Die Preisbildung an Tankstellen folge marktwirtschaftlichen Mechanismen.  "Preise reagieren auf Einkaufskosten, Wettbewerb und Nachfrage. Wenn sich Einkaufspreise ändern, werden diese Entwicklungen auch an der Zapfsäule weitergegeben - nach oben wie nach unten." Gerade diese Dynamik sorge dafür, dass Verbraucher und Verbraucherinnen im Tagesverlauf häufig günstigere Preise finden könnten.

Nach Eingriffen in den freien Markt seien die Preise nicht unbedingt niedriger als vorher, sie schwankten nur weniger, heißt es von den Verbänden. Mehr als die Hälfte des Kraftstoffpreises entfalle auf Steuern und Abgaben: "Wer Kraftstoffpreise dauerhaft senken will, muss über staatliche Preisbestandteile sprechen - nicht über Eingriffe in den Wettbewerb."

Ursprungsmeldung: Spritpreis-Bremse soll kommen - Vereinigung erhebt Bayern-Forderung

Die Monopolkommission hat die Vorhaben von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur Eindämmung des Anstiegs der Benzinpreise gelobt. Die CDU-Politikerin hatte angekündigt, dass Tankstellen künftig nur noch einmal täglich die Kraftstoffpreise erhöhen dürfen. "Das ist ein guter Vorschlag. Wir finden, das könnte die Situation verbessern", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, im ZDF-"heute journal".

"Es könnte mehr Sicherheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher bringen." Das habe auch eine disziplinierende Wirkung für die Unternehmen, sagte der Vorsitzende des unabhängigen Beratungsgremiums der Bundesregierung. Das Modell könne jedoch auch Nebenwirkungen haben, und es könnte Anreize geben, die Preise am Morgen zu erhöhen, räumte Duso ein. Aber die bisherige empirische Evidenz deute darauf hin, "dass das wertvoll sein könnte". Ziel des geplanten Modells ist es, den von Ökonomen und Wettbewerbshütern beschriebenen "Raketen- und Federeffekt" an Tankstellen zu durchbrechen. Dieser Effekt trete besonders in Märkten auf in denen es weniger Wettbewerb und oligopolistische Strukturen gebe, sagte Ökonom Duso. Wie wirksam die Maßnahme ist, das ist jedoch unklar. Der ADAC warnte erst kürzlich vor einem gegenteiligen Effekt.

Seit Iran-Kriegsausbruch: Spritpreise erstmals wieder günstiger

Zum ersten Mal seit dem Beginn des Iran-Krieges ist Kraftstoff im Vergleich zum Vortag wieder günstiger geworden. Superbenzin der Sorte E10 und Diesel waren im deutschlandweiten Tagesdurchschnitt am Mittwoch (11. März 2026) um 3,4 beziehungsweise 5,4 Cent preiswerter als am Dienstag (10. März 2026), wie der ADAC mitteilte. Mit 2,011 Euro pro Liter war E10 jedoch immer noch etwa 23 Cent teurer als am Tag vor dem Kriegsausbruch. Bei Diesel waren es mit 2,134 Euro pro Liter am Mittwoch sogar fast 39 Cent mehr als vor Beginn der Angriffe.

Die Bundesregierung will sich nun das Modell aus Österreich zum Vorbild nehmen. Dort dürfen nur einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöht werden. Gesenkt werden dürfen sie immer. Eine seit 2011 geltende Verordnung ist vor Kurzem bis Ende 2028 verlängert worden. Das soll zum einen Autofahrerinnen und -fahrern bei der Suche nach der günstigsten Tankstelle helfen. Man erwarte aber auch preisdämpfende Effekte, sagte Reiche.

Zuvor hatte Deutschland nach dpa-Informationen einen Teil der nationalen Ölreserven freigegeben. Mit dem Schritt erhofft man sich eine Beruhigung der Märkte und dass der durch den Krieg ausgelöste rasante Ölpreisanstieg abgefedert wird. Die IEA hatte am Dienstag wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten eine Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.

Freigabe von Ölreserven soll Entspannung bringen

Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, schlägt die IEA ihren Mitgliedsstaaten nun eine Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl vor. Das würde die bisherige Höchstmenge von 182 Millionen Barrel zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen. 400 Millionen Barrel entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß es, dass 19,5 Millionen davon aus den deutschen Reserven kommen sollen. Das wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande.

Aus Sicht des DGB Bayern sollte jedoch auch der Freistaat zur Entlastung von Pendlern beitragen. "Bayern verfügt über eine solide Haushaltslage", sagte Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern. "Diese finanziellen Spielräume sollten genutzt werden, um stärker in bezahlbare und verlässliche Mobilität zu investieren und so dringend notwendige Entlastung für Beschäftigte zu schaffen."

Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert. Am Mittwoch stiegen die Ölpreise mit der Sorge vor einer längeren Liefer-Unterbrechung durch die Straße von Hormus. Am Morgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 92,31 Dollar gezahlt und damit über fünf Prozent mehr als am Vortag. Der Preisrückgang, der am Montag eingesetzt und sich am Dienstag fortgesetzt hatte, ist damit vorerst gestoppt.

Ölreserven für mindestens 90 Tage

In Deutschland sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs die Spritpreise deutlich gestiegen. Deutschland hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen sogenannten strategischen Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden. Verantwortlich ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl und Mineralölerzeugnisse (Benzin, Diesel, Kerosin) lagert. Die Vorräte an Erdölerzeugnissen sind den Angaben zufolge über ganz Deutschland verteilt, das Rohöl wird demnach vorwiegend in unterirdischen Speichern in Norddeutschland gelagert, von wo aus es über Pipelines oder auch per Schiff zur Verarbeitung in Raffinerien transportiert werden kann.