Sven Schulze – Abstrampeln für die nächste Tour
Autor: Christopher Kissmann, dpa
, Dienstag, 01. Sept. 2026
Verteidigt er die Magdeburger Staatskanzlei gegen die starke AfD? Wie CDU-Spitzenkandidat Schulze in Sachsen-Anhalt gegen die schlechte Stimmung kämpft.
Die Ärmel des weißen Hemds sind hochgekrempelt, der Ministerpräsident kommt in Jeans – hier soll jeder sehen: Sven Schulze packt an. Der CDU-Politiker ist seit Monaten landauf landab in Sachsen-Anhalt unterwegs, er gibt sich dabei gerne hemdsärmlig. Seine Botschaft: Ich bin einer von hier, und während andere nur über Probleme reden – ich kümmere mich.
Erst im Januar hat der 47-Jährige das Amt des Ministerpräsidenten von seinem Vorgänger Reiner Haseloff (CDU) übernommen. Seitdem ist er mehr und mehr in die Rolle des Regierungschefs hineingewachsen. Krise in der Automobil- und in die Chemieindustrie, Einführung der Bürgerarbeit, neue Projekte in der Bildung – Schulze hat Akzente gesetzt und mit seinen Ideen auch einen Kurs für die nächsten Jahre skizziert.
Schulze sucht den direkten Kontakt
Er ließ Veranstaltungen mit dem Kabarettisten Didi Hallervorden organisieren, die durchaus polarisierten. Ein ungewöhnlicher Weg, um seine Vorstellungen zu präsentieren. Aber keine Ausnahme. Einige Wochen zuvor trat der Ministerpräsident in die Pedale. Im gelben Trikot traf der dreifache Vater Unternehmer, besuchte Feste und suchte den direkten Kontakt mit den Bürgern.
Der CDU-Spitzenkandidat strampelt sich im Wahlkampf ab, um näher an die in den Umfragen klar führende AfD heranzurücken. Doch die Frage, die über allem schwebt, lautet: Reicht das am Ende, um nach der Landtagswahl am 6. September eine AfD-Alleinregierung zu verhindern und eine weitere Tour als Ministerpräsident bestreiten zu können?
Von der Kommunalpolitik über Brüssel nach Magdeburg
Der 47-Jährige hat jahrelang ehrgeizig darauf hingearbeitet, Ministerpräsident zu werden. Kurz vor dem Abitur 1997 ist Schulze der CDU beigetreten. Seitdem durchlief der Mann aus dem Harz viele Stationen einer klassischen politischen Karriere: von der Kommunalpolitik über den Landesvorsitz der Jungen Union bis hin zum Abgeordneten im Europäischen Parlament. Zwischendurch hat der studierte Wirtschaftsingenieur als Vertriebsleiter gearbeitet.
2016 übernahm er nach der schwierigen Regierungsbildung der CDU mit SPD und Grünen den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs der Landespartei. In der ersten sogenannten Kenia-Koalition Deutschlands war er mal als Lautsprecher und mal als Krisenmanager gefordert. Immer wieder musste der Generalsekretär seine Partei gegen den Verdacht einer mangelnden Abgrenzung nach rechts in Schutz nehmen.
Schulze greift auch mal selbst zum Hörer
Den CDU-Landesverband führt Schulze seit 2021. In dem Jahr wurde er auch Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. Extra für Schulze, den möglichen Haseloff-Nachfolger, wurde ein großes Haus geschaffen, in dem er sich bewähren sollte. Die Ansiedlung des US-Chipherstellers Intel in Magdeburg wäre ein Projekt gewesen, mit dem er vielleicht hätte glänzen können. Doch der Konzern sprang letztlich noch ab.