Sparsame Kunden, viele Sorgen: Einzelhandel in der Krise
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Dienstag, 14. Juli 2026
Zurückhaltende Verbraucher und der Erfolg asiatischer Plattformen setzen dem Einzelhandel zu. Die Stimmung in der Branche hat sich weiter verschlechtert – eine Trendwende ist nicht in Sicht.
Die Kunden halten ihr Geld zusammen. Für den deutschen Einzelhandel ist das derzeit das größte Problem. 79 Prozent der Händler nennen die Kaufzurückhaltung als drängendste Herausforderung, wie eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter 600 Unternehmen zeigt. Die Sparquote sei hoch, weil die Kunden nicht an die Zukunft glaubten, sagt HDE-Präsident Alexander von Preen.
Trotz eines leichten Aufwärtstrends ist die Konsumstimmung weiterhin stark getrübt, wie aktuelle Befragungen des HDE und des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) zeigen. Die Verbraucherstimmung liege auf dem Stand des zweiten Corona-Lockdowns, sagt von Preen. «Die Situation ist noch dramatischer als sie es im eher bescheidenen Vorjahr bereits war.»
Zwei Dinge könnten die Kauflaune aus Sicht des Handelsverbands deutlich heben: ein Ende der internationalen Krisen, wie etwa im Iran, und steuerliche Entlastungen – also mehr Netto vom Brutto.
Inflationsschock hallt nach
Die größte Sorge der Menschen hierzulande ist laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger die wirtschaftliche Lage. Im internationalen Vergleich fällt die Einschätzung in Deutschland demnach besonders kritisch aus. 51 Prozent bewerten die Situation negativ, nur 18 Prozent positiv.
Ein Hauptgrund: die gestiegenen Preise. Die Inflation hat sich zuletzt zwar deutlich abgeschwächt, doch die Folgen der Teuerungswelle der Vorjahre sind im Alltag noch spürbar, vor allem beim Lebensmitteleinkauf. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Nahrungsmittelpreise seit 2020 im Schnitt um 37 Prozent gestiegen.
Laut einer Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung wurden die Kaufkraftverluste durch höheren Mindestlohn sowie Tarif- und Rentenerhöhungen inzwischen ausgeglichen. Dennoch fühle sich eine Mehrheit der Menschen immer noch schlechter aufgestellt als vor fünf Jahren. Viele schränkten sich deshalb beim Konsum ein.
Deutliches Wachstum nur im Onlinehandel erwartet
Die Krise trifft nicht alle gleich. Die Umsätze im stationären Handel stagnieren laut HDE-Prognose 2026, der Onlinehandel legt hingegen deutlich zu. Real, also bereinigt um Preissteigerungen, wird ein Plus von 3,5 Prozent erwartet. Auf das Netz entfällt bereits etwa ein Siebtel der Erlöse im deutschen Einzelhandel – Tendenz steigend.