Wirtschaft bremst: Wer bekommt die 1.000-Euro-Prämie?
Autor: Fabian Nitschmann und Matthias Arnold, dpa
, Donnerstag, 16. April 2026
Die Regierung will Firmen eine steuerfreie Krisenprämie von bis zu 1.000 Euro ermöglichen, die Vorfreude bei Beschäftigten ist groß. Doch in der Wirtschaft scheint die Zurückhaltung groß zu sein.
Wer wird die von der Regierung angekündigte Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro bekommen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen - und die Reaktionen aus der Wirtschaft lassen nicht darauf hoffen, dass sich allzu viele freuen können. Denn Firmen können die «Krisenprämie» zahlen, müssen es aber nicht. Die schwarz-rote Bundesregierung sieht sich mit immer deutlicherer Kritik konfrontiert. Sie prüft derweil eine Ausweitung der Prämie auf 2027.
«Wir haben eine Insolvenzwelle, und viele Unternehmen können das einfach nicht leisten», sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter, der «Bild»-Zeitung. Er kritisierte, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hätten «Erwartungen geschürt und die Erfüllung dieser Erwartung bei anderen abgeladen».
Der Bund der Steuerzahler bewertete die vorgeschlagene steuerfreie Entlastungsprämie als realitätsfremd. «Eine wirklich sachgemäße Lösung zur Entlastung wäre eine Erhöhung der Entfernungspauschale für alle, die Auto oder Bus und Bahn nutzen müssen, um zur Arbeit zu kommen», sagte Reiner Holznagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Handelsverband: Bürgerentlastung ist rein staatliche Aufgabe
Die Koalition hatte angekündigt, dass Firmen die Möglichkeit bekommen sollen, im laufenden Jahr eine steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro auszuzahlen. Die Zahlung soll nach aktuellem Stand nicht verpflichtend sein. Ein Gesetzesentwurf soll nach SPD-Angaben nächste Woche in den Bundestag kommen. Die Idee ähnelt der Inflationsausgleichsprämie, die nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 für einen deutlich längeren Zeitraum eingeführt wurde.
Die Inflationsausgleichsprämie wurde in der Folge bei vielen Tarifverhandlungen vereinbart. In Branchen, in denen gerade Tarifergebnisse erzielt wurden, ist das dann nicht mehr möglich. Und im Handel, wo dieser Tage Verhandlungen beginnen, streben beide Seiten eine Zahlung der Prämie gar nicht an.
«Die Bürgerentlastung aufgrund externer Faktoren ist eine rein staatliche Aufgabe und wird so einfach auf die Unternehmen abgewälzt», monierte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Dabei seien Betriebe ihrerseits von den Kostensteigerungen betroffen. Die Gewerkschaft Verdi betonte, dass sie bei den Tarifgesprächen Einmalzahlungen als Ersatz für echte Entgelterhöhungen in Tariftabellen nicht akzeptieren wolle.
Nach den Worten von Finanzminister Lars Klingbeil prüft die Bundesregierung eine Ausweitung der geplanten Steuerfreiheit der Prämie auf das Jahr 2027. Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens gebe es den Vorschlag, die Prämie auf das nächste Jahr auszuweiten, sagte der SPD-Chef am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington. Dies werde derzeit besprochen. «Da wird es auch eine Einigung geben.»