Treffen im Kanzleramt: 80 Prozent der Syrer sollen zurück
Autor: Michael Fischer, Amira Rajab, Ulrich Steinkohl und Andreas Hoenig, dpa
, Montag, 30. März 2026
Mehr als 900.000 Syrer leben in Deutschland. Jetzt gibt es eine Zielmarke, wie viele davon nach Ende des Bürgerkriegs zurückkehren sollen. Sie ist Ergebnis eines denkwürdigen Treffens im Kanzleramt.
In den nächsten Jahren sollen 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren. Diese Zielmarke nannte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach seinem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt und fügte hinzu, dass sich das Staatsoberhaupt des arabischen Landes dies wünsche.
Er dankte der deutschen Bevölkerung, die in den vergangenen Jahren bereit gewesen sei, Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen. «Aber der Bürgerkrieg ist zu Ende. Und jetzt gibt es grundsätzlich die Perspektive, auch in das Heimatland Syrien zurückzukehren.»
Zitat nachträglich präzisiert
Zur Zielmarke von 80 Prozent sagte Merz wörtlich: «In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das sind auch, ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren.»
Im Protokoll der Pressekonferenz präzisierte das Bundespresseamt den Satz später: «In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre – das ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen – sollen rund 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, in ihr Heimatland zurückkehren.»
Das «auch» taucht in diesem Zitat nicht mehr auf. Damit wird der Wunsch, auf 80 Prozent zu kommen, ganz dem syrischen Präsidenten zugeschrieben.
80 Prozent würde mehr als 750.000 Syrer bedeuten
Deutschland hat während des 14 Jahre dauernden Bürgerkriegs mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere Land in der Europäischen Union. Ende November 2025 waren nach Angaben der Bundesregierung noch rund 940.401 Syrerinnen und Syrer in Deutschland. 512.348 von ihnen hatten einen Schutzstatus, beispielsweise als Asylberechtigte.
Legt man diese Zahlen zugrunde, ist die Rückkehr von mehr als 750.000 Syrern innerhalb von drei Jahren das Ziel – darunter auch eine sechsstellige Zahl mit einem Schutzstatus. Zum Vergleich: Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind seit Januar 2025 mindestens 9.777 syrische Staatsangehörige freiwillig aus dem Bundesgebiet ausgereist. Davon seien mindestens 5.004 Ausreisen mit staatlicher Förderung erfolgt.