Trotz Iran-Kriegs: Exporte wachsen vierten Monat in Folge
Autor: Alexander Sturm, dpa
, Donnerstag, 09. Juli 2026
Lichtblick für die deutsche Wirtschaft: Die deutschen Exporte legen im Mai erneut zu – vor allem dank eines starken US-Geschäfts. Zum Risiko könnte allerdings der neu aufgeflammte Iran-Krieg werden.
Die deutschen Exporte sind trotz Belastungen durch den Iran-Krieg im Mai den vierten Monat in Folge gestiegen. Dank eines starken Geschäfts mit den USA wuchsen die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent auf 137,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Zum Vorjahresmonat Mai 2025 stand ein Plus von 6,1 Prozent.
Ökonomen schöpfen mit den Zahlen Hoffnung für die schwächelnde deutsche Wirtschaft. Vorsichtig optimistisch ist auch der Außenhandelsverband BGA. «Die Welt kauft weiterhin deutsche Produkte», sagte Präsident Dirk Jandura. «Doch der Welthandel wird volatiler, politischer und härter umkämpft.»
Die meisten deutschen Exporte gingen im Mai erneut in die USA. Dorthin wurden Waren im Wert von 14,1 Milliarden Euro exportiert, fast ein Viertel (23,1 Prozent) mehr als im April. Gemessen am Vorjahresmonat waren die Exporte gut 15 Prozent höher.
«Guter Monat für die deutsche Wirtschaft»
«Für die deutsche Wirtschaft war der Mai ein guter Monat», sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. «Die vielerorts befürchtete wirtschaftliche Delle im zweiten Quartal dürfte ausbleiben.» Nach einem leichten Wachstum zu Jahresbeginn dürfte die deutsche Wirtschaft auch im zweiten Quartal etwas zulegen, meint Gitzel mit Blick auch auf jüngste gute Daten zur Industrieproduktion.
Die üppigen Exportzuwächse in die USA sollten aber nicht als Trendwende im transatlantischen Handel verstanden werden. «Die Handelshemmnisse haben sich mit den Trump'schen Zöllen erhöht, gleichzeitig verlagern viele Unternehmen ihre Produktion direkt in die USA.» Damit werde das Exportvolumen über den Atlantik nachhaltig geringer sein.
Europa-Geschäft schwächelt
Im Mai wuchsen nicht nur die Exporte in die USA, sondern auch nach China - und zwar um 7,1 Prozent gegenüber April auf 6,2 Milliarden Euro. Die Ausfuhren nach Großbritannien nahmen leicht auf 6,7 Milliarden Euro zu. Dagegen schrumpfte das wichtige Europa-Geschäft: In die EU-Staaten wurden im Mai Waren im Wert von 78,3 Milliarden Euro exportiert, 1,1 Prozent weniger als im April.
Von einer Trendwende bei den deutschen Exporten könne noch keine Rede sein, meint BGA-Präsident Jandura. Der Anstieg der Exporte zeige zwar, dass deutsche Unternehmen auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig seien. Die Impulse kämen derzeit aber vor allem aus Drittstaaten, besonders aus den USA mit Nachholeffekten nach mehreren schwachen Monaten.