Spritpreise: Wird das Benzin trotz "Tankrabatt" nicht so schnell günstig?
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Berlin, Dienstag, 21. April 2026
Laut des Tankstellenverbandes bft könnte die Konstruktion der Steuer sogar zu Versorgungsengpässen führen. Zuletzt sanken die Spritpreise nur noch langsam. Der "Tankrabatt" könnte sogar für kurzfristigen Spritmangel sorgen.
Der ab 1. Mai geplante "Tankrabatt" könnte erst mit Verzögerung bei den Verbrauchern ankommen - und im schlimmsten Fall sogar für kurzfristigen Spritmangel sorgen. Davor warnen jedenfalls Branchenverbände. Die Preise an den Tankstellen sinken mittlerweile nur noch langsam, wie Zahlen des ADAC zeigen.
Im Gesetzentwurf für den "Tankrabatt" heißt es: "Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Steuersatzsenkung verzögert und schleichend in den Verbrauchspreisen widerspiegelt." Ähnliche Bedenken hatte es schon 2022 beim damaligen Tankrabatt gegeben.
Wird der "Tankrabatt" nur mit Verzögerung wirken? Es kommt auf den Stichtag an
Ursache dafür ist die Steuersystematik. Um die Spritpreise zu senken, sollen nach Plänen der schwarz-roten Koalition befristet für zwei Monate die Steuern auf Diesel und Benzin um je rund 17 Cent brutto pro Liter reduziert werden. Die gesenkten Steuersätze sollen vom 1. Mai bis 30. Juni gelten. Allerdings: Die Energiesteuer wird bei Lieferung des Sprits an die Tankstelle fällig.
Sämtliche Kraftstoffe, die bis zum Stichtag 1. Mai in den Tanks liegen, seien noch mit dem normalen, höheren Betrag belegt, heißt es vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie in einer Stellungnahme für eine Anhörung im Finanzausschuss des Bundestags. "Die Tanks der Tankstellen werden am 1. Mai 2026 also in unterschiedlichem Umfang noch mit 'normal versteuertem' Benzin und Diesel gefüllt sein."
Es sei zu erwarten, dass die Tankkunden in der Zeit vor der Energiesteuersenkung zurückhaltend sein werden. "Daher dürfte sich der Effekt der niedrigeren Steuersätze nicht überall gleich am Stichtag um Mitternacht einstellen, sondern erst in der Folgezeit, wenn die 'normal versteuerten' Kraftstoffe abverkauft und nach und nach die niedrig versteuerten Kraftstoffe angeliefert werden." Zudem gebe es weitere Faktoren, die auf den Preis wirkten. "Die Energiesteuern sind eine wichtige Preiskomponente, aber bei Weitem nicht die einzige."
Zwickmühle bedroht die Versorgung
Für Betreiber von Tankstellen ist es aufgrund der Steuersystematik finanziell vorteilhaft, mit geringen Beständen in den 1. Mai zu starten. Laut dem Branchenverband bft, der die Interessen der unabhängigen Tankstellen vertritt, ergibt sich daraus jedoch ein Zielkonflikt: Denn wenn alle Tankstellen so vorgehen, könnte dies - zusammen mit den eingeschränkten Liefermöglichkeiten am langen Wochenende - für Probleme sorgen.
"Für eine sichere Versorgung müssten die Tankstellen zum 1. Mai eigentlich volle Tanks haben. Auf der darin enthaltenen hohen Energiesteuer bleiben sie ohne Ausgleich aber sitzen", sagt bft-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik. "Wer vernünftig bevorratet, trägt das wirtschaftliche Risiko. Wer Bestände niedrig hält, riskiert Versorgungsprobleme." Eine Möglichkeit aus Sicht des Verbands wäre, den Rabatt auf den 4. Mai zu verschieben. Dies könne zumindest für etwas Erleichterung sorgen.