Spritpreis-Bremse soll kommen: Monopolkommission unterstützt Regierungsvorhaben
Autor: Nadine Wüste, Alexander Milesevic, Agentur dpa
Berlin, Donnerstag, 12. März 2026
Aufgrund der teuren Spritpreise plant die Regierung erste Maßnahmen, um Pendlerinnen und Pendler finanziell an der Zapfsäule zu entlasten. Die Monopolkommission spricht sich ebenfalls für die Maßnahmen aus.
Die Monopolkommission hat die Vorhaben von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur Eindämmung des Anstiegs der Benzinpreise gelobt. Die CDU-Politikerin hatte angekündigt, dass Tankstellen künftig nur noch einmal täglich die Kraftstoffpreise erhöhen dürfen. "Das ist ein guter Vorschlag. Wir finden, das könnte die Situation verbessern", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, im ZDF-"heute journal".
"Es könnte mehr Sicherheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher bringen." Das habe auch eine disziplinierende Wirkung für die Unternehmen, sagte der Vorsitzende des unabhängigen Beratungsgremiums der Bundesregierung. Das Modell könne jedoch auch Nebenwirkungen haben, und es könnte Anreize geben, die Preise am Morgen zu erhöhen, räumte Duso ein. Aber die bisherige empirische Evidenz deute darauf hin, "dass das wertvoll sein könnte". Ziel des geplanten Modells ist es, den von Ökonomen und Wettbewerbshütern beschriebenen "Raketen- und Federeffekt" an Tankstellen zu durchbrechen. Dieser Effekt trete besonders in Märkten auf in denen es weniger Wettbewerb und oligopolistische Strukturen gebe, sagte Ökonom Duso. Wie wirksam die Maßnahme ist, das ist jedoch unklar. Der ADAC warnte erst kürzlich vor einem gegenteiligen Effekt.
Seit Iran-Kriegsausbruch: Spritpreise erstmals wieder günstiger
Zum ersten Mal seit dem Beginn des Iran-Krieges ist Kraftstoff im Vergleich zum Vortag wieder günstiger geworden. Superbenzin der Sorte E10 und Diesel waren im deutschlandweiten Tagesdurchschnitt am Mittwoch (11. März 2026) um 3,4 beziehungsweise 5,4 Cent preiswerter als am Dienstag (10. März 2026), wie der ADAC mitteilte. Mit 2,011 Euro pro Liter war E10 jedoch immer noch etwa 23 Cent teurer als am Tag vor dem Kriegsausbruch. Bei Diesel waren es mit 2,134 Euro pro Liter am Mittwoch sogar fast 39 Cent mehr als vor Beginn der Angriffe.
Die Bundesregierung will sich nun das Modell aus Österreich zum Vorbild nehmen. Dort dürfen nur einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöht werden. Gesenkt werden dürfen sie immer. Eine seit 2011 geltende Verordnung ist vor Kurzem bis Ende 2028 verlängert worden. Das soll zum einen Autofahrerinnen und -fahrern bei der Suche nach der günstigsten Tankstelle helfen. Man erwarte aber auch preisdämpfende Effekte, sagte Reiche.
Zuvor hatte Deutschland nach dpa-Informationen einen Teil der nationalen Ölreserven freigegeben. Mit dem Schritt erhofft man sich eine Beruhigung der Märkte und dass der durch den Krieg ausgelöste rasante Ölpreisanstieg abgefedert wird. Die IEA hatte am Dienstag wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten eine Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.
Freigabe von Ölreserven soll Entspannung bringen
Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, schlägt die IEA ihren Mitgliedsstaaten nun eine Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl vor. Das würde die bisherige Höchstmenge von 182 Millionen Barrel zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen. 400 Millionen Barrel entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß es, dass 19,5 Millionen davon aus den deutschen Reserven kommen sollen. Das wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande.
Aus Sicht des DGB Bayern sollte jedoch auch der Freistaat zur Entlastung von Pendlern beitragen. "Bayern verfügt über eine solide Haushaltslage", sagte Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern. "Diese finanziellen Spielräume sollten genutzt werden, um stärker in bezahlbare und verlässliche Mobilität zu investieren und so dringend notwendige Entlastung für Beschäftigte zu schaffen."