Druckartikel: Sprit könnte noch deutlich teurer werden: Verband mit Düster-Prognose

Sprit könnte noch deutlich teurer werden: Verband mit Düster-Prognose


Autor: Strahinja Bućan, Agentur dpa

Deutschland, Dienstag, 10. März 2026

Die Spritpreise steigen seit Beginn des Irankrieges immer weiter. Und es könnte noch schlimmer werden, wie der Tankstellen-Interessensverband jetzt warnt. Währenddessen ergreifen andere EU-Länder radikale Maßnahmen.
Sprit könnte noch deutlich teurer werden: Verband mit Düster-Prognose


Beim Sprit ist das obere Ende der Fahnenstange wohl noch lange nicht erreicht. Der Tankstellen-Interessensverband (TIV) kann sich Preise von 2,50 Euro oder sogar mehr vorstellen, wie zunächst die Rheinische Post am Dienstag berichtete. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar hatten Benzin und Diesel zeitweise die 2-Euro-Marke überschritten.

Er fürchte, die Ölkonzerne würden die hohen Ölpreise sofort weiterreichen und die Spritpreise noch stärker erhöhen, so Verbands-Sprecher  Herbert Rabl gegenüber dem Blatt. "Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht", so Rabl weiter. Der Ölpreis steht nun bereits bei über 100 US-Dollar pro Barrel - dabei sind die Spritpreise an den Tankstellen laut dem TIV-Sprecher nirgendwo so stark in die Höhe geschnellt wie in Deutschland.

Sprit bald bei 2,50 Euro und mehr? Verband warnt vor massiven Preissteigerungen

Rabl macht sich laut der Rheinischen Post vor allem Sorgen um die Tankstellen selbst. Diese würden nicht adäquat an den höheren Preisen beteiligt und würden zusätzlich noch den Frust der Kundinnen und Kunden abbekommen. "Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft, das zirka 60 Prozent der Einnahmen ausmacht", rechnet Rabl vor. Die Provision pro verkauftem Liter Kraftstoff würde demnach bei lediglich einem oder zwei Euro-Cent liegen.

Video:




Währenddessen ist der Preissprung beim Benzin scheinbar kaum aufzuhalten. Am Montag kostete nun auch Superbenzin der Sorte E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt mehr als 2 Euro pro Liter, wie aus aktuellen Zahlen des ADAC hervorgeht. Damit war die günstigste gängige Benzinsorte so teuer wie seit Mai 2022 nicht mehr. Auch Diesel verteuerte sich am Montag deutlich und die morgendlichen Preise des Dienstags verheißen nichts Gutes für die Autofahrer in Deutschland. 

Mit einem Tagesdurchschnittspreis von 2,028 Euro pro Liter verteuerte sich E10 von Sonntag auf Montag um weitere 4,4 Cent. Damit ist der Kraftstoff inzwischen 25 Cent teurer als vor Kriegsbeginn. Diesel stieg auf 2,171 Euro pro Liter. Das waren 5,4 Cent mehr als am Sonntag und 42,5 Cent mehr als vor Kriegsbeginn. Am Dienstagmorgen um 7.15 Uhr - in normalen Zeiten ist Sprit dann im Tagesverlauf am teuersten - kostete ein Liter E10 im bundesweiten Schnitt 2,095 Euro, ein Liter Diesel 2,237 Euro. Beides war deutlich teurer als am Montag zur selben Zeit. 

EU-Land ergreift radikale Maßnahme gegen hohe Spritpreise - aber nur für bestimmte Autofahrer

Das weise für die Preise eher nach oben, sagte eine ADAC-Sprecherin. Dabei sinke der Ölpreis inzwischen wieder. Eigentlich müsse man daher im weiteren Verlauf auch wieder sinkende Spritpreise sehen. Angesichts der großen Unruhe und Verunsicherung im Markt sei es aber schwierig, Prognosen abzugeben. Und außerdem sei zu befürchten, dass der Rakete-und-Feder-Effekt eintrete. Er beschreibt, dass Kostensteigerungen sehr schnell an die Verbraucher weitergegeben werden, sinkende Kosten dagegen eher langsam. 

Der Ölpreis ist in normalen Zeiten der zentrale Treiber für Veränderungen der Spritpreise. Nachdem er am Montag zwischenzeitlich über 100 Dollar pro Barrel gestiegen war, lag er zuletzt wieder deutlich unter dieser Marke. Die Spritpreise bewegen sich derzeit auf ähnlichen Niveaus wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Von den Rekorden kurz nach dem damaligen Kriegsausbruch sind sie aber noch ein Stück weit entfernt. Diesel hatte sein Allzeithoch am 10. März 2022 mit 2,321 Euro pro Liter. Super E10 am 14. März 2022 mit 2,203 Euro. Das waren 15 beziehungsweise 17,4 Cent mehr als am Montag.

In Ungarn beispielsweise greift der Staat gegen die Teuerung von Kfz-Treibstoffen infolge des Iran-Krieges ein. Seit Dienstag ist der Preis von Benzin (95 Oktan) auf 595 Forint (1,51 Euro) pro Liter gedeckelt und der von Diesel auf 615 Forint. Eine entsprechende Verordnung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban erschien am Montagabend im ungarischen Amtsblatt. Die maximalen Treibstoffpreise gelten nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen. Ausländische Urlauber, Geschäftsreisende und Fahrer von ausländischen Bussen und Lkws müssen an den ungarischen Tankstellen weiterhin von den Marktverhältnissen abhängige Treibstoffpreise bezahlen, die die Tankstellenbetreiber festlegen. Diese sind infolge des Iran-Krieges in den vergangenen zehn Tagen kräftig gestiegen.