Sprit-Ärger in Deutschland wächst: Reiche lehnt neuen Vorstoß ab
Autor: Agentur dpa
Augsburg, Samstag, 04. April 2026
Die Einführung der 12-Uhr-Regel an Tankstellen hat weiterhin nicht den gewünschten Effekt. Wirtschaftsministerin Reiche lehnt staatliche Eingriffe weitgehend ab.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat sich gegen die Einführung eines Tempolimits und autofreier Sonntage ausgesprochen, um Kraftstoff zu sparen. Angesichts der noch immer hohen Spritpreise in Deutschland hält es die CDU-Politikerin allerdings für denkbar, die Pendlerpauschale temporär anzuheben.
"Das entlastet zielgenau die, die auf das Auto angewiesen sind", sagte Reiche der Augsburger Allgemeinen. "Wir überlegen in der Koalition auch, die Stromsteuer für private Haushalte zu senken. Das hilft zwar an der Tankstelle nicht, aber es hilft, die Gesamtenergierechnung der Haushalte zu senken. Die ist in Deutschland zu hoch", führte die Ministerin aus.
Benzin und Diesel weiterhin teuer: Reiche will kein Tempolimit, aber Erhöhung der Pendlerpauschale
Mit Blick auf Lieferausfälle durch die Sperrung der Straße von Hormus als Folge des Iran-Kriegs sagte Reiche: "In Deutschland und Europa steht ausreichend Gas und Öl zur Verfügung, wir beziehen nur sehr geringe Mengen aus dem Nahen Osten." Es sei genügend Benzin, Diesel und auch Kerosin für Flugzeuge vorhanden.
Nach Ansicht der Ministerin hätte es keinen nennenswerten Effekt, wenn Autofahrer langsamer über die Autobahn fahren oder den Wagen an einem Tag in der Woche stehen lassen müssten. "Übrigens wird der Preis für Benzin und Diesel auch nicht auf der deutschen Autobahn gebildet, sondern auf dem Weltmarkt. Tempolimit und autofreie Sonntage hätten darauf keinen merklichen Einfluss", sagte Reiche.
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hatte ein Tempolimit als durchaus kluges Signal bezeichnet, "damit die Menschen die Situation ernst nehmen". Finanzminister Lars Klingbeil und Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig, beide von der SPD, sprachen sich für einen "flexiblen Preisdeckel" aus, der extreme Ausschläge an der Zapfsäule verhindern soll.
12-Uhr-Regel verpufft - was tun gegen die hohen Spritpreise?
Seit dem 1. April gilt in Deutschland eine neue 12-Uhr-Regel an Tankstellen. Trotzdem meldete der ADAC einen neuen Rekordpreis für Diesel-Kraftstoff. Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang brachte deshalb eine neue Idee ins Spiel.