Festspielleiterin Katharina Wagner, die dem Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung das außergewöhnliche Konzert ganz ohne Musik ihres Urgroßvaters vorgeschlagen hatte, ist dankbar, dass das Gremium dem Projekt zugestimmt hat.
Aus guten Gründen: "Wir wollten als Bayreuther Festspiele, die eine besondere historische Verpflichtung tragen", so Wagner auf Anfrage unserer Zeitung, "ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit." Schostakowitschs Symphonie Nr. 13 op. 113 für einen Bass-Solisten, Männerchor und Orchester in fünf Sätzen mit dem Text von Jewgeni Jewtuschenko wurde 1962 in Moskau uraufgeführt.
Sie erinnert an eines der größten Massaker des Zweiten Weltkriegs: In der Schlucht von Babi Yar bei Kiew wurden unter dem Kommando der SS und der deutschen Wehrmacht innerhalb von 36 Stunden über 33 000 Juden jeden Alters erschossen.
"Schlimmste Verbrechen"
"Babi Yar", hieß es in einer aktuell nicht mehr zugänglichen Meldung auf der Homepage der Bayreuther Festspiele vom 10. Januar "steht für schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der russische Komponist Schostakowitsch erfuhr als Künstler selbst Repression und Bedrohung durch das Stalin-Regime. In diesem packenden Werk nimmt er unverhohlen Stellung gegen die Unterdrückung."
Das Sonderkonzert am 24. Juli 2020, bei dem erstmals im Festspielhaus ein Werk von Schostakowitsch erklingen wird, fällt auch von der Besetzung her aus dem Rahmen.
Weil laut Holger von Berg, der zusammen mit Katharina Wagner als Geschäftsführer der Festspiel-GmbH fungiert, das Festspielorchester durch die "Ring"-Neueinstudierung und die Wiederaufnahmen voll ausgelastet ist, darf das Bundesjugendorchester am Grünen Hügel debütieren.
"Das Bundesjugendorchester", so der offizielle Infotext weiter, "wird das Werk im Festspielhaus aufführen - junge Menschen werden also die Ausführenden in diesem Konzert von Bedeutung sein, und damit am historischem Ort ein wichtiges Zeichen für Freiheit und Humanität in unserer Welt heute setzen." Detailliertere Angaben über das Konzert und die Kartenvergabe sowie das weitere Diskurs-Programm sollen Ende März veröffentlicht werden.