Sparpläne und sinkende Absätze: Ringen um VWs Zukunft
Autor: Christof Rührmair, Frank Johannsen, dpa und Marco Engemann, dpa-AFX
, Freitag, 10. Juli 2026
Auch nachdem der Aufsichtsrat das Sparpaket nicht durchwinken wollte, plant der Vorstand weiter den Großumbau. Unterdessen zeigen die aktuellen Absatzzahlen kräftig nach unten.
Das Ringen um die Zukunft von VW geht weiter. Auch wenn das Sparpaket des Vorstands am Donnerstag einem Bericht zufolge im Aufsichtsrat durchfiel, plant Konzernchef Oliver Blume weiter die «umfassendste Neuausrichtung der Konzerngeschichte». Die jüngsten Absatzzahlen des Konzerns verdeutlichen unterdessen die Dringlichkeit: Es läuft alles andere als gut für die Wolfsburger und ihre deutschen Töchter.
Wie die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, «die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt».
Vorstand will weiter umbauen
VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Blume betonte aber, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. «Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf.»
Blume sprach von der «umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte». Der Vorstand übernehme damit «Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens - in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht». Direkt nach der Aufsichtsratssitzung hatte er bereits angekündigt, Überkapazitäten abbauen zu wollen. Unter anderem soll die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten sogar um drei Viertel.
Finanzvorstand Arno Antlitz betont, man wolle weiter in E-Autos und Software investieren, «gleichzeitig unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten und unsere Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken.» Dafür müsse der Konzern konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern. «Der Zukunftsplan ist dafür ein starker Hebel.»
Unklarheit erbost Betriebsrat
Was konkret im abgelehnten Sparpaket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt. Den Berichten zufolge droht aber heftiges: Laut «Manager Magazin» könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut «Bild» könnten es sogar 120.000 sein. Zudem sind vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland sogar von Schließung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.
Dass es so wenig Offizielles zu den Plänen gibt, erbost auch die Arbeitnehmervertreter. Der Betriebsrat hat der Konzernspitze inzwischen ein Ultimatum gestellt, im Laufe des Freitags der Belegschaft gegenüber Stellung zu beziehen und sich unmissverständlich zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äußern. Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.