Spahns Leihmutter-Skandal: So gerät der CDU-Politiker zunehmend unter Druck
Autor: Agentur dpa
Berlin, Samstag, 18. Juli 2026
Jens Spahn steht nach der Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter politisch unter Druck. Selbst innerhalb der CDU mehren sich die Rücktrittsforderungen. Der Kanzler weicht aus.
Privat im Glück, politisch unter Druck: Für Jens Spahn wackelt der Posten des Unionsfraktionsvorsitzenden, nachdem er und sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter aus der USA ein Baby bekommen haben. Nach Rücktrittsforderungen aus der CDU legte Spahn seine Zukunft im Amt in die Hände der Abgeordneten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte an, dass sich die CDU-Spitze mit dem Thema befassen werde.
Spahn meldete sich in einem Podcast mit "Bild"-Vize Paul Ronzheimer aus den USA zu Wort. Er spielt offenbar auf Zeit. "Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen", sagte der CDU-Politiker. Sich selbst für einen Rücktritt zu entscheiden, zieht er dabei offenbar aktuell nicht in Erwägung. Er sagt: "Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht." Zugleich machte er deutlich: "Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie."
"Das geht überhaupt nicht": Rücktrittsforderung aus dem Norden
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte den Jungen zur Welt. In Deutschland gibt es laute Kritik, weil Leihmutterschaft hier verboten ist und sich die CDU klar gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie in der Vergangenheit auch Spahn selbst. Kritiker sprechen von doppelten Standards.
Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters sagte der Bild-Zeitung: "Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten." Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe sich Spahn "in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt". Spahn nehme für sich in Anspruch, als Privatperson anders zu handeln als er als CDU-Mandatsträger abstimme. "Das geht überhaupt nicht", meinte Peters.
Scharfe Worte wählte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, in "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Frauen dürfen weder zum Sex gekauft, noch als Brutkasten missbraucht werden." Die CDU-Politikerin sprach von einem "ausbeuterischen System zwischen Kaufeltern und Leihmüttern" und betonte: "Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab."
Spahn möchte "seine Familie schützen"
Im Podcast sagte Spahn: "Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden." Er kenne es als Christ, dass "das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass das manchmal kein Schwarz und Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen".
Verboten sei in Deutschland die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung sowie das Einsetzen einer Eizelle und die ganze ärztliche Begleitung des Prozesses. "Das ist das, was verboten ist", sagte Spahn. "Eltern werden oder Leihmutter sein, steht nicht unter Strafe."