Sorge um die Ernte: Dürre und Hitze treffen Europas Bauern
Autor: Monika Wendel, Michael Evers und Emilio Rappold, dpa
, Donnerstag, 06. August 2026
Staubtrockene Felder, Gluthitze: Landwirte stehen wegen Einbußen bei der Getreideernte, hoher Kosten und Futterknappheit unter Druck. In Spanien und Frankreich leiden Obst, Oliven und Gemüse.
In modernen Traktor-Kabinen sorgen Klimaanlagen zwar für Abkühlung. Doch bei vielen Bauern in Europa lösen Hitze und Trockenheit Frust und Existenzangst aus. Eine unterdurchschnittliche Getreideernte, niedrige Marktpreise und steigende Kosten setzen die Landwirtschaft nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes massiv unter Druck.
Rinderhalter machen sich Sorgen, weil Grünland schlechter wächst und die Futtergrundlage knapp wird. In Frankreich und Spanien werden erhebliche Ernteausfälle befürchtet. Wird nun mediterranes Olivenöl teurer, bleiben Gemüse-Regale im Supermarkt leer?
Die Dürre in Europa wird sich laut Forschern verstärken. Das Wissenschaftsnetzwerk World Weather Attribution beschreibt mögliche Folgen: «Historische Ernteverluste (...) könnten zusammen mit den anhaltenden globalen Konflikten die Lebensmittelpreise erhöhen und Haushalte mit geringem Einkommen überproportional treffen.»
«Betriebe schlagen Alarm»
Für die diesjährige Getreideernte in Deutschland wird ein unterdurchschnittliches Ergebnis erwartet, sagt Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes. Gleichzeitig seien die Marktpreise niedrig, während die Kosten für Transport, Dünger und Futter gestiegen seien. Das drücke auf die Liquidität der Betriebe. «Die Betriebe schlagen massiv Alarm.» Die Ertragssituation unterscheide sich allerdings stark von Standort zu Standort.
Weniger Zucker
Die anhaltende Hitze setzt Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben - den spätreifen Kulturen - zu. In Süddeutschland dürfte ein Drittel weniger Zucker erzeugt werden als im Vorjahr, erwartet der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer.
Die bedeutendste Kultur bleibt der Winterweizen laut Bauernverband mit rund 2,9 Millionen Hektar und einem Anteil von 48 Prozent an der Getreidefläche in Deutschland. Auch Gerste ist eine wichtige Getreideart.
Tierfutter knapper
Erhebliche Einbußen gebe es bei der Grünland-Produktion in vielen Regionen, so der Bauernverband. Das beeinträchtige die Futter-Versorgung für die Tiere stark, sagte Sabet. «Da haben wir große Sorge. Die Trockenjahre häufen sich.» Vor allem im Südwesten Deutschlands, im Mittelgebirge und Allgäu seien zwei Grünland-Schnitte ausgefallen - also das Mähen zur Futtergewinnung. Futterbörsen sollen Tierhaltern helfen. Mit ihren Sorgen stehen die Bauern in Deutschland nicht alleine da, auch andernorts in Europa wirken sich Hitze und Dürre aus.