Merz und Selenskyj vereinbaren «strategische Partnerschaft»
Autor: Michael Fischer, Andreas Stein, Ulrich Steinkohl, Jörg Blank und Carsten Hoffmann, dpa
, Dienstag, 14. April 2026
Der schrittweise Rückzug der USA aus der Ukraine-Hilfe hat Deutschland zum wichtigsten Unterstützer des von Russland attackierten Landes gemacht. Jetzt erreicht die Zusammenarbeit eine neue Ebene.
Bei ihren ersten Regierungskonsultationen seit mehr als 20 Jahren haben Deutschland und die Ukraine den Ausbau ihrer Beziehungen zu einer «strategischen Partnerschaft» vereinbart. Die Zusammenarbeit soll künftig weit über die militärische und finanzielle Hilfe Deutschlands für das von Russland angegriffene Land hinausreichen, sodass beide Seiten langfristig davon profitieren können.
Am Rande des Treffens von Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie mehrerer Minister beider Seiten wurden dazu mehrere Vereinbarungen unterzeichnet, unter anderem zur Kooperation im Rüstungsbereich und zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit. «Unsere Freundschaft und die Verbindungen zwischen unseren Gesellschaften sind tiefer als je zuvor», heißt es in einer 15-seitigen gemeinsamen Erklärung, die bei dem Treffen verabschiedet wurde.
Erste Regierungskonsultationen seit 2004
Selenskyj ist in den vergangenen vier Jahren seit der russischen Invasion in der Ukraine schon viele Male nach Berlin gereist. Der jetzige Besuch, der bis kurz vor seiner Ankunft nicht offiziell angekündigt wurde, hat aber eine neue Dimension. Erstmals brachte der Präsident eine große Zahl von Ministern zu gemeinsamen Beratungen beider Regierungen mit. Solche Konsultationen gibt es von deutscher Seite mit besonders engen Partnern wie Frankreich, Polen und Italien – oder mit besonders wichtigen Ländern wie China, Brasilien oder Indien.
Auch mit der Ukraine gab es zwischen 1998 und 2004 solche Treffen, die dann aber wieder eingestellt wurden. Die jetzige Wiederbelebung soll Ausdruck einer neuen Qualität der Partnerschaft sein, die nach dem russischen Angriff immer weiter vertieft wurde. Der schrittweise Rückzug der USA aus der Ukraine-Hilfe hat dazu geführt, dass Deutschland inzwischen der stärkste Unterstützer des Landes ist.
Patriot-Raketen und Drohnen für die Ukraine
In seiner Hilfe will Deutschland auch nicht nachlassen. Die Bundesregierung sagte der Ukraine zu, die Lieferung von mehreren Hundert Patriot-Raketen durch das US-Unternehmen Raytheon zu finanzieren. Darüber hinaus sei mit dem deutschen Unternehmen Diehl Defence die Lieferung weiterer Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart worden, teilte das Verteidigungsministerium mit.
Zusätzlich haben Deutschland und die Ukraine die Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite vereinbart. Das Projekt umfasst die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Ziel der Lieferung von Tausenden von unbemannten Flugkörpern.
Nach dem Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar hoffen Merz und die anderen EU-Partner nun auch auf eine schnelle Freigabe des von dem Land bislang blockierten 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU für die Ukraine. «Die Mittel für die militärische Unterstützung müssen jetzt rasch ausgezahlt werden», sagte der Kanzler. Die Ukraine werde ihre Verteidigung dann auch auf lange Sicht finanzieren können. «Russland sollte dies ernst nehmen», ergänzte er.