Schwarzarbeit bei Reinigungsfirmen? Verdächtige in Haft
Autor: dpa
, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Es geht um Schwarzarbeit und Menschenhandel - und viel Geld. Nach langen Ermittlungen schlagen Polizei und Zoll zu. Sie stoßen auf Geld in Briefumschlägen und nehmen den mutmaßlichen Drahtzieher fest.
Nach bundesweiten Durchsuchungen in Hotels und Reinigungsfirmen wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit und Menschenhandel sitzen zehn mutmaßliche Bandenmitglieder in Untersuchungshaft. Drahtzieher ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft Berlin ein 50-Jähriger, der am Mittwoch an seinem Wohnsitz in Hamburg festgenommen wurde. Er soll seit 2022 zunächst von Berlin aus mit 22 Komplizen «zum Zwecke der Gewinnmaximierung» zusammengearbeitet und dabei ein komplexes Firmengeflecht aufgebaut haben.
Mehr als eine Million Euro Bargeld wurden nach Behördenangaben bei den Durchsuchungen in der Hauptstadt und in Hamburg sowie Thüringen (Masserberg), Sachsen (Dresden), Sachsen-Anhalt (Halle/Saale), Hessen (Frankfurt/Main), Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf) und Baden-Württemberg (Karlsruhe) sichergestellt. Die Fahnder fanden die Geldscheine in Briefumschlägen einsortiert - bereit zur Auszahlung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wie es hieß.
Gold und Luxusautos
Zudem wurden den Angaben nach Gold im Wert von mehr als 200.000 Euro sowie zahlreiche Luxusgüter - darunter hochwertige Autos und ein Motorrad - in einem Gesamtwert von rund 77.000 Euro sichergestellt. Neben illegalen Waffen beschlagnahmten die Einsatzkräfte bei der Durchsuchung von mehr als 100 Wohnungen, Unterkünfte, Firmen und Hotels zahlreiche Handys und Laptops sowie weiteres Beweismaterial.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war in Berlin, weswegen die Staatsanwaltschaft Berlin federführend ist. Die Ermittlungen hätten jedoch schnell «riesige Dimensionen» angenommen, hieß es von Polizei und Zoll. «Das war ein bisschen wie ein Tsunami», sagte Oberstaatsanwältin Christine Höfele. Darum sei die gemeinsame Ermittlungsgruppe «Purgatio» (lateinisch: «Reinigung») zwischen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und dem Hauptzollamt Berlin eingerichtet worden.
Umfangreiche Beweismittel sichergestellt
Nach rund eineinhalb Jahren verdeckten Ermittlungen gegen die mutmaßliche Bande erfolgten am Mittwoch die deutschlandweiten Durchsuchungen mit rund 2.200 Kräften. Die Beteiligten sprachen von einem «sehr erfolgreichen Schlag» im Kampf gegen Organisierte Kriminalität im Bereich der Wirtschaft. Nun gelte es die umfangreich sichergestellten Beweismittel möglichst schnell auszuwerten, um die mutmaßlichen Täter vor Gericht zu bringen.
Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um deutsche Staatsangehörige, einige von ihnen mit Migrationshintergrund. Der Kopf der Bande soll Menschen gezielt nach Deutschland eingeschleust und sie im gesamten Bundesgebiet für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben. Nach den Ermittlungen kamen viele der Beschäftigten aus Osteuropa, etwa aus der Ukraine und Georgien. Löhne und Arbeitsbedingungen für sie sollen deutlich geringer gewesen sein als die der deutschen Kolleginnen und Kollegen.