Schuldentopf Infrastruktur: Verheerende Forscher-Bilanz
Autor: Theresa Münch, dpa
, Dienstag, 17. März 2026
Die Bagger sollen rollen und Deutschland modern werden. Das will die Regierung mit dem 500-Milliarden-Schuldenpaket erreichen. Doch nach Berechnungen von Forschern kann davon bisher keine Rede sein.
Vor einem Jahr beschloss der Bundestag ein Schuldenpaket in Rekordausmaß: 500 Milliarden Euro sollten in Infrastruktur und Klimaschutz fließen. Zwölf Monate später ziehen Wissenschaftler eine ernüchternde Bilanz: Nur ein kleiner Teil des Sondervermögens Infrastruktur fließe bisher tatsächlich in die vorgesehenen Projekte. Mit dem Großteil stopfe die Regierung dagegen Haushaltslöcher. Das Finanzministerium will das nicht auf sich sitzen lassen.
Was ist das Sondervermögen Infrastruktur?
Es handelt sich um einen schuldenfinanzierten Topf, der neue Investitionen und einen langfristigen Schub beim Wirtschaftswachstum ermöglichen soll. Er wird neben dem normalen Bundeshaushalt geführt und anders als im Kernhaushalt gilt hier keine Schuldenbremse. Gefüllt wird der Topf mit Krediten über 500 Milliarden Euro, die über zwölf Jahre ausgegeben werden können.
Wichtig: Im Grundgesetz ist geregelt, dass das Geld nur zusätzlich zu im Kernhaushalt ohnehin geplanten Investitionen genutzt werden darf. Es soll helfen, den riesigen Investitionsstau in Verkehrs- und Energieinfrastruktur, Bildung und Digitalisierung sowie Wohnungsbau aufzulösen. «Wir investieren jetzt so stark wie noch nie zuvor in die Stärke und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes», hat Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärt.
300 Milliarden Euro sind für Investitionen des Bundes vorgesehen, 100 Milliarden fließen über den Klima- und Transformationsfonds gezielt in den Klimaschutz und weitere 100 Milliarden gehen an die Länder für Investitionen vor allem in den Kommunen.
Was sagen die Forschungsinstitute?
Das Münchner Ifo-Institut und das IW Köln haben untersucht, wie die Mittel bisher verwendet wurden. Sie kommen dabei zu ähnlichen Ergebnissen.
Laut Ifo wurden 2025 im Sondervermögen 24,3 Milliarden Euro an Krediten aufgenommen. Die zusätzlichen Neuinvestitionen des Bundes seien aber nur um 1,3 Milliarden Euro höher gewesen als im Vorjahr. Daraus schließen die Forscher, dass 95 Prozent der Gelder nicht für zusätzliche Investitionen genutzt wurden. Diverse Projekte seien stattdessen aus dem Kernhaushalt ins kreditfinanzierte Sondervermögen verschoben worden – besonders Zuschüsse im Verkehrsbereich. So habe die Regierung die Kredite in Wahrheit nahezu vollständig zum Stopfen von Etatlöchern genutzt, kritisierte Präsident Clemens Fuest.
Das IW Köln berechnete, dass 86 Prozent der Mittel aus dem Sondervermögen zweckentfremdet wurden. Die Investitionsausgaben des Bundes seien insgesamt nur um zwei Milliarden Euro gestiegen – «gerade genug, um die Inflation auszugleichen». Allein mit 12 Milliarden Euro aus dem Sondertopf seien zudem Ausgaben ersetzt worden, die zuvor aus dem Kernhaushalt finanziert wurden. Insgesamt habe der Bund viel weniger Geld aus dem Topf genutzt als geplant.