Schorndorf: Kleinkind (1) tot in Auto entdeckt - Ermittlungen gegen Mutter
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Schorndorf (Württemberg), Donnerstag, 18. Juni 2026
Warum ist ein Kleinkind in einem Auto gestorben? Die Mutter hatte es anscheinend stundenlang im Wagen vergessen. Eine Obduktion soll klären, ob die Hitze eine Rolle gespielt hat.
Update vom 18.06.2026, 20.21 Uhr: Warum starb ein Kind in Auto? Viele Fragen nach Tragödie
Nach dem Tod eines kleinen Mädchens in einem Auto ist die Mutter in den Fokus der Ermittler geraten. Sie soll ihr Kind im Wagen vergessen haben. Trauer, Entsetzen und Fassungslosigkeit sind nach dem Fund des Kindes im baden-württembergischen Schorndorf groß. Doch die Umstände, unter denen das Mädchen starb, werfen noch viele Fragen auf.
Erste Antworten soll die Obduktion der Leiche am Freitagmorgen (19. Juni 2026) bringen. Dabei könnten Erkenntnisse zu den Todesumständen gewonnen werden, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Geklärt werden muss unter anderem, ob Austrocknung, Überhitzung oder andere medizinische Faktoren den Tod verursacht haben könnten.
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Gegen die Mutter des etwa 20 Monate alten Mädchens wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Sie hat nach Angaben der Polizei einen Rechtsbeistand beantragt und wurde bisher nicht vernommen. "Bislang ist nicht sicher, ob und in welcher Form sich die Mutter äußern wird", sagte der Polizeisprecher. Die 44-Jährige sei auf freiem Fuß.
Forschung kennt das Phänomen
Sie soll das Kleinkind am Mittwoch (17. Juni 2026) über Stunden im Wagen vergessen haben. Demnach entdeckte die Frau erst am Nachmittag ihre leblose Tochter. Polizeiangaben zufolge hatten ein Notarzt und der Rettungsdienst nach dem Fund sofort versucht, das Kind wiederzubeleben. Die Einjährige starb dennoch an Ort und Stelle.
"Es ist jetzt elementarer Bestandteil der Ermittlungen, den Tag zu rekonstruieren", sagte der Polizeisprecher. Wie die Staatsanwaltschaft machte er keine Angaben zur Frage, wie die Mutter ihr Kind vergessen konnte und wo sie sich aufhielt, während das Mädchen allein im Auto saß.
Dass Eltern ihre Kinder im Auto vergessen, ist kein Einzelfall – Forscher haben dafür sogar einen Begriff. Sie sprechen vom Vergessenes-Baby-Syndrom. Laut dem US-amerikanischen Psychologieprofessor David M. Diamond, der sich mit dem Syndrom intensiv beschäftigt, können Stress, Schlafmangel oder veränderte Routinen das Vergessen hervorrufen. Im Gehirn entsteht eine falsche Erinnerung, weil Routinehandlungen wie die Fahrt zur Arbeit quasi im Autopilot-Modus ablaufen würden.
Menschen im Ort erschüttert
Umfassende Zahlen dazu gibt es nicht. Aber allein in den USA sterben nach Angaben der US-Informationsplattform "No Heat Stroke" jährlich durchschnittlich mehr als 37 Kinder an einem Hitzeschlag, weil sie vergessen wurden. Die Plattform stützt sich auf die Auswertung von Medienberichten, denn Behörden führen weder in den USA noch in anderen Ländern exakte Statistiken zum Vergessenes-Baby-Syndrom.