Wann wird die Bahn pünktlicher? Netzzustand weiter kritisch
Autor: Fabian Nitschmann, dpa
, Donnerstag, 07. Mai 2026
Der Netzzustandsbericht gibt jedes Jahr Aufschluss darüber, wie es um die Schieneninfrastruktur in Deutschland bestellt ist. 2025 wurde es zumindest nicht schlimmer - doch das hatte einen hohen Preis.
Kaum ist eine Weichenstörung repariert, schon geht woanders in Deutschland wieder was kaputt. So fühlt es sich für viele Fahrgäste der Deutschen Bahn derzeit an, wenn sie mit dem Zug unterwegs sind - und vermutlich ist das auch das Gefühl vieler Mitarbeiter und Managerinnen des bundeseigenen Konzerns. Denn 26.000 Baustellen für rund 19,9 Milliarden Euro haben vergangenes Jahr gerade mal dafür gereicht, dass das marode Netz nicht noch weiter verfällt.
Im neuen Netzzustandsbericht erhielt das 33.000 Kilometer lange Netz wie schon im Vorjahr die Schulnote 3,0. «Die Trendwende haben wir noch nicht geschafft», sagte Bahnchefin Evelyn Palla. «Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.»
Die Fahrgäste spüren das täglich, wenn Züge unpünktlich unterwegs sind, weil sie von Langsamfahrstellen, Weichenstörungen oder Oberleitungsschäden ausgebremst werden. Die angeschlagene Infrastruktur gehört zu den größten Einflussfaktoren auf die Pünktlichkeitsquote.
Welche Bereiche sind in besonders kritischem Zustand?
Die Bahn unterteilt in dem Bericht in rund 9.000 Kilometer Hochleistungsnetz und rund 24.000 Kilometer Flächennetz. Das Hochleistungsnetz erhielt die Note 3,04, das Flächennetz die Note 2,96. «Wenn man gut fahren will, muss man auf dem Hochleistungsnetz Richtung 2,5 oder 2,6 kommen», sagte Philipp Nagl, Chef der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo. Alle Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten in dem Bericht, den die Bahn selbst erstellt, als erneuerungsbedürftig.
In besonders schlechtem Zustand sind weiterhin die Stellwerke mit einer Note von 4,02 im Gesamtnetz - 0,1 Punkte besser als vor einem Jahr. «Jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke ist erneuerungsbedürftig», teilte die Bahn mit. Die Stellwerke sind besonders wichtig für den Bahnbetrieb, sie stellen zum Beispiele Weichen und Signale, damit die Züge sicher fahren können.
Wie will die Bahn den Netzzustand verbessern?
Bauen, bauen, bauen ist das Motto. Mit 28.000 Baustellen und einer Investitionssumme von rund 23 Milliarden im laufenden Jahr hoffen die Bahn-Manager auf messbare Verbesserungen beim Netzzustand.
«Um verlässlich fahren zu können, müssen wir das Schienennetz mit Kraft weiter modernisieren und sanieren», sagt Bahnchefin Palla - und richtet auch eine klare Botschaft an die Politik: «Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Investitionen in das Netz dieses Jahr kein Ausschlag nach oben bleiben, sondern wenn das der neue Standard ist.» Den gesamten Sanierungsstau beziffert der bundeseigene Konzern derzeit auf 130 Milliarden Euro.