In dem in der Nähe der Kaserne abgestellten Auto des Verdächtigen steckte am Freitag in der Fahrertür ein Molotowcocktail, im Kofferraum neben einem Bundeswehr-Rucksack lag Patronenmunition. Was der Mann damit vorhatte, war zunächst nicht bekannt.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte sich am Freitag bestürzt über die Tat gezeigt. "Die mehrfache Tötung von unschuldigen Menschen in Scheeßel ist einfach grauenvoll", sagte der SPD-Politiker. Vieles spreche für eine Tat im Kontext einer privaten Beziehung. "Aber das ist alles Spekulation, daran will und kann ich mich jetzt nicht beteiligen", erklärte der Minister. "Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Opfer, so ein Verbrechen ist einfach furchtbar."
Update vom 02.03.2024: Bundeswehrsoldat vierfacher Todesschütze? Staatsanwaltschaft bestätigt Ablauf
Hat ein Soldat der Bundeswehr vier Menschenleben auf dem Gewissen? Nach den tödlichen Schüssen auf vier Menschen in zwei Gemeinden zwischen Hamburg und Bremen dauern die Ermittlungen zu dem Fall weiter an. Am Freitag (1. März 2024) hatte ein Richter gegen den Beschuldigten einen Haftbefehl erlassen, der 32 Jahre alte Bundeswehrsoldat wurde in ein Gefängnis gebracht. Ob er sich geäußert hat, war am Samstagmorgen (2. März 2024) zunächst nicht bekannt.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll der Soldat zunächst in Westervesede, einer Ortschaft der Gemeinde Scheeßel, in einem Einfamilienhaus zwei Menschen umgebracht haben: einen 30 Jahre alten Mann und eine 55 Jahre alte Frau. In Brockel, Teil der Samtgemeinde Bothel, soll der Verdächtige dann eine 33-jährige Frau und ein drei Jahre altes Kind erschossen haben. Auch hier ist der Tatort ein Einfamilienhaus. Westervesede und Brockel liegen etwa sechs Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Die Staatsanwaltschaft Verden bestätigte den Ablauf.
Am Freitagmorgen soll sich der Deutsche an der Von-Düring-Kaserne in der Stadt Rotenburg (Wümme) gestellt haben. Rotenburg (Wümme) liegt in der Nähe der mutmaßlichen Tatorte. Der Soldat sei zu der Kaserne gefahren, aus einem Auto gestiegen und habe sich zu erkennen gegeben. Polizisten, die gerufen wurden, nahmen den Mann fest. Nach Angaben der Polizei soll der Verdächtige nicht Mitglied der Kaserne sein. Ermittler untersuchten das Auto vor der Kaserne. In der Fahrertür des Autos steckte ein Molotowcocktail, im Kofferraum neben einem Bundeswehr-Rucksack lag Munition.
Anwohner (22) berichtet: Eltern aus Schlaf hochgeschreckt - "ein ganz anderes Gefühl"
Ein 22 Jahre alter Anwohner aus Westervesede sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, seine Eltern seien in der Nacht um etwa halb vier aus dem Schlaf hochgeschreckt, als sie Schüsse hörten. "Man denkt, wenn man so was hört, dass das total weit weg ist", sagte der Mann. "Aber dann aus dem Fenster zu gucken, wenn das so zwei Meter von einem entfernt ist - das ist natürlich ein ganz anderes Gefühl."
Es ist unklar, wie viele Tatwaffen der 32-Jährige nutzte. Auch ist der Ursprung der Waffe oder der Waffen nicht bekannt. Fragen dazu beantworteten die Staatsanwaltschaft Verden und die Bundeswehr am Freitag nicht. Der Bundeswehr soll nach dpa-Informationen in dem Zusammenhang keine Waffe fehlen. Dass der Verdächtige Soldat ist, bestätigte die Bundeswehr.
Ungeklärt sind auch die Bezüge des Soldaten zu den Opfern. Die Staatsanwaltschaft Verden gab dazu keine Auskunft. Die Hintergründe der Tat bleiben unklar. "Eine Motivlage im familiären Umfeld kann nicht ausgeschlossen werden", teilten die Ermittler lediglich mit.
Verteidigungsminister Pistorius bestürzt über Tat
Verteidigungsministers Boris Pistorius (SPD) drückte nach der Tat seine Bestürzung aus. "Die mehrfache Tötung von unschuldigen Menschen in Scheeßel ist einfach grauenvoll", sagte der SPD-Politiker am Freitag, wie eine Sprecherin des Bundesministeriums der Verteidigung mitteilte. "Ich habe davon heute Morgen ganz früh erfahren. Ein Bundeswehrsoldat ist der mutmaßliche Täter." Über die Aussagen des Verteidigungsministers hatte zunächst das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet.
Vieles spreche für eine Tat im Kontext einer privaten Beziehung, sagte Pistorius. Dies müsse aufgeklärt werden. Falls es sich bestätige, dass der Hintergrund der Tat eine Trennung war, wäre das wieder ein schrecklicher Mord an Frauen, weil sie eine Beziehung beendet haben, so der Verteidigungsminister. "Aber das ist alles Spekulation, daran will und kann ich mich jetzt nicht beteiligen", sagte der Minister. "Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Opfer, so ein Verbrechen ist einfach furchtbar."
Update vom 01.03.2024, 14.46 Uhr: Bundeswehr bestätigt - Verdächtiger im Fall der vier Getöteten ist Soldat
Die Sonne scheint, Vögel zwitschern und die ersten Frühlingsblüher sprießen im Garten vor dem Backsteinhaus im niedersächsischen Scheeßel. Ein paar Bälle liegen auf dem Rasen, daneben stehen eine Schaukel und ein großes Trampolin. Eine Idylle - wären da nicht das Polizeiabsperrband und ein Polizeiwagen mit Blaulicht in der Hofeinfahrt. In dem Familienhaus müssen sich in der Nacht auf Freitag (1. März 2024) unfassbare Szenen abgespielt haben. Am Ende sind vier Menschen tot.
Mitten in der Nacht, etwa um halb vier am Freitagmorgen, seien seine Eltern aus dem Schlaf hochgeschreckt, erzählt ein Nachbar. Mehrere Schüsse fielen. "Man denkt, wenn man so was hört, dass das total weit weg ist", sagt der 22-Jährige. "Aber dann aus dem Fenster zu gucken, wenn das so zwei Meter von einem entfernt ist - das ist natürlich ein ganz anderes Gefühl."
Das Nachbarhaus - ein Tatort? Auch im rund neun Kilometer entfernten Bothel - ebenfalls im Landkreis Rotenburg (Wümme) gelegen - fielen Schüsse. Wie die Bundeswehr bestätigte, soll es sich bei dem Verdächtigen um einen Soldaten handelt. Weitere Angaben machte eine Sprecherin des Heeres am Freitag auf Nachfrage nicht. Der Polizei zufolge soll der Verdächtige nicht Mitglied der Kaserne in Rotenburg sein.
Vier Tote nach Schüssen in Scheeßel - Molotowcocktail im Auto gefunden
Vier Menschen verloren ihr Leben. Unter den Toten sei auch ein Kind, erklärten die Polizei Rotenburg und die Staatsanwaltschaft Verden. Wie alt die Opfer waren, in welcher Beziehung sie zueinander standen - dazu gab es bis Freitagmittag nur Spekulationen. "Eine Motivlage im familiären Umfeld kann nicht ausgeschlossen werden", teilten die Ermittler lediglich mit.
Ein ganz anderes Bild zeigt sich am Freitag in der Von-Düring-Kaserne in Rotenburg, wo unter anderem das Jägerbataillon 91 stationiert ist. Auf einem Besucherparkplatz vor der Kaserne untersuchen Ermittler ein schwarzes Auto auf Spuren, wie eine dpa-Reporterin beobachtete. Der Verdächtige soll am frühen Morgen mit dem Wagen dorthin gefahren sein, berichtet ein Sprecher der Polizei. Er sei ausgestiegen, auf die Wache zugegangen und habe sich gestellt. Die Polizei nahm den 32-Jährigen wenig später fest.
In der Fahrertür seines Autos steckt ein Molotowcocktail, im Kofferraum neben einem Bundeswehr-Rucksack liegt Patronenmunition. Was der Soldat wohl damit vorhatte? Das müsse erst noch herausgefunden werden, sagt ein Sprecher der Polizei. Es könne nur spekuliert werden, warum der Molotowcocktail in dem Auto gelegen habe, sagte der Sprecher. Die Ermittler prüfen auch, ob die Tatwaffe von der Bundeswehr stammt. Bei der Bundeswehr fehlt nach dpa-Informationen in dem Zusammenhang jedoch keine Waffe.
Ungewissheit bei Nachbarn nach Schüssen in Niedersachsen
Für die Nachbarn ist die Ungewissheit nur schwer zu ertragen. Wer ist im Haus nebenan gestorben? "So ein Schuss mit einer scharfen Waffe ist ja jetzt nie nur eine leichte Schramme", grübelt der 22-Jährige. In den ersten Stunden hätten ihn Hunderte Nachrichten erreicht, er selbst könne kaum noch an was anderes denken. Was waren die Hintergründe der Tat? Was wäre passiert, wenn er oder andere Nachbarn zu dem Zeitpunkt draußen gewesen wäre? "Das sind alles Sachen, die will man sich irgendwie gar nicht ausmalen."
Ursprungsmeldung vom 01.03.2024, 9.58 Uhr: Auch Kind unter den Toten - Bundeswehrsoldat soll vier Menschen erschossen haben
Bluttat im Norden Deutschlands: Ein Bundeswehrsoldat steht im Verdacht, vier Menschen im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme) erschossen zu haben. Unter den am Freitag (1. März 2024) entdeckten Toten sei auch ein Kind, teilten die Polizei Rotenburg und die Staatsanwaltschaft Verden mit. Weitere Angaben zu den Opfern - etwa zum Alter, Geschlecht oder zu ihrer Beziehung zu dem Verdächtigen - machten die Ermittler zunächst nicht.
Die Schüsse sollen in der Nacht auf Freitag in zwei Gemeinden im Landkreis Rotenburg (Wümme) gefallen sein. Es gebe zwei Tatorte - einen in einem Einfamilienhaus in Westervesede in der Gemeinde Scheeßel und einen in Bothel. Ob der Verdächtige dort zuletzt gelebt hatte, blieb unklar. "Eine Motivlage im familiären Umfeld kann nicht ausgeschlossen werden", hieß es nur. Ein Großaufgebot an Polizisten sei vor Ort.
Im Vormittag lief auch ein Einsatz in der Von-Düring-Kaserne in Rotenburg, dort ist unter anderem das Jägerbataillon 91 stationiert. Vor der Kaserne untersuchen Ermittler ein Fahrzeug auf Spuren, wie die dpa-Reporterin beobachtete. Die Staatsanwaltschaft machte zunächst keine Angaben, ob die Waffe des Verdächtigen aus dem Besitz der Bundeswehr stammt.
War es eine Beziehungstat - Polizei sucht nach Schüssen im Kreis Rotenburg nach Motiv
Der mutmaßliche Angreifer habe sich nach der Tat in der Nacht auf Freitag gestellt und sei festgenommen worden, teilten die Ermittler weiter mit. Weitere Details zur Festnahme blieben zunächst offen. Auch zum Alter und Nationalität des Verdächtigen machten die Ermittler zunächst keine Angaben.