Software-Support auch extern - SAP wendet EU-Strafe ab
Autor: Ann-Kristin Wenzel, dpa
, Donnerstag, 09. Juli 2026
Europas größter Softwarehersteller steht wegen Vorgaben für Wartungs- und Supportdienstleistungen im Fokus der Wettbewerbshüter der EU. Nun hat er sich zu Änderungen verpflichtet.
Der deutsche Softwarekonzern SAP hat mit Zusagen eine drohende EU-Strafe wegen möglicher Wettbewerbsverstöße abgewendet. Das teilte die EU-Kommission mit. Sie hatte wegen des Verdachts, Europas größter Softwarehersteller könnte den Wettbewerb bei Wartungs- und Supportdienstleistungen verzerrt haben, im September ein Verfahren eröffnet. Das Unternehmen mit Sitz in Walldorf in Baden-Württemberg hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
«Im konstruktiven Dialog mit der Europäischen Kommission hat SAP nun eine Reihe von Anpassungen zugesagt, die Flexibilität, Transparenz und Planbarkeit weiter verbessern sollen», teilte das Unternehmen nun mit. «Die aktualisierten Richtlinien gelten weltweit für bestehende und künftige Kunden der On-Premise-Produkte von SAP.» SAPs Cloud-Angebote seien nicht betroffen.
Wettbewerbskommissarin: SAP-Software ist weltweit wichtig
Der Konzern ist vor allem für seine Software ERP bekannt. Sie unterstützt nach Angaben der EU-Kommission Geschäftsfunktionen wie die Verwaltung der Unternehmensfinanzen, des Personalwesens und des Projektmanagements. «Die Software von SAP ist für Unternehmen in ganz Europa und weltweit von entscheidender Bedeutung», teilte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera mit.
Die Software kann laut der Behörde vor Ort bereitgestellt werden, wobei sie auf den eigenen Servern der Kunden laufe, oder über die Cloud. Dann werde sie auf den Servern von SAP gehostet und über das Internet bereitgestellt. Um die Programme betriebsbereit zu halten, bietet SAP seinen Geschäftskunden Dienstleistungen wie etwa regelmäßige Updates und technische Unterstützung an.
Kommission sah Probleme bei den Wartungsregeln
In einer vorläufigen Bewertung des Falls hatte die Kommission dargelegt, wieso sie bei diesen Dienstleistungen Wettbewerbsverstöße vermutet. Demnach verlange der Konzern von seinen Kunden, die Software nur von SAP warten zu lassen.
Zudem müssten Kunden für alle Softwarelösungen von SAP dieselbe Art von Wartungs- und Supportleistungen zu denselben Preisbedingungen wählen. Dies könne sie daran hindern, Wartungs- und Supportleistungen verschiedener Anbieter zu unterschiedlichen Preis- und Supportniveaus zu kombinieren, obwohl dies für sie günstiger wäre.
Kündigungsbedingungen kritisiert
Auch warf die EU-Kommission SAP vor, dass Kunden Wartungs- und Supportleistungen für ungenutzte Softwarelizenzen nicht kündigen könnten - sie also für ungewünschte Leistungen weiter zahlen müssten. Kunden, die nach einer Auszeit wieder Dienstleistungen von SAP abonnieren, müssten außerdem eine Wiederaufnahmegebühr und Nachzahlungen leisten, heißt es weiter. Die Brüsseler Behörde verdächtigte das Unternehmen daher, seine Kunden auszubeuten.