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Roche-Chef: Europa droht, den Anschluss zu verpassen


Autor: dpa

, Donnerstag, 22. Oktober 2026

Roche will künftig dort investieren, wo Innovation belohnt wird – und sieht Europa im Rückstand. Die Kritik bezieht sich auch auf Deutschland, wo die Schweizer große Standorte haben.
Roche-Chef Thomas Schinecker sieht Europa im Hintertreffen. (Archivbild)


Jüngst hat der Schweizer Pharmakonzern Roche bekräftigt, künftige Investitionen in Deutschland vorläufig auszusetzen. Nun legt Unternehmenschef Thomas Schinecker nach: Roche werde künftig nur in jene Märkte investieren, die Innovation auch wirklich belohnten, kündigte er nach Umsatzzahlen an. Innovation fände ernsthaft in den USA und Asien statt. «Europa ist klar dabei, den Anschluss zu verpassen und ins Hintertreffen zu geraten», so Schinecker.

«Europa hat wirklich Schwierigkeiten mit dem Wachstum», sagte der Roche-Chef. «Europa muss insgesamt wieder wesentlich wettbewerbsfähiger werden.» Dabei sieht Schinecker nicht nur ein Innovationsproblem, sondern auch ein strukturelles Wettbewerbsproblem. Aus seiner Sicht reiche es nicht, Zukunftsbranchen politisch zu priorisieren. «Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen tatsächliche Investitionen attraktiv machen.»

Streit um Sparvorgaben in Deutschland

Hintergrund der Aussagen ist auch Ärger über Sparvorgaben der Bundesregierung in Deutschland. Um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, hat sie Arzneikonzernen deutlich höhere Herstellerrabatte verordnet, die sie den Krankenkassen gewähren müssen. Das sorgt in der Pharmabranche für Ärger, denn im Koalitionsvertrag hatten SPD und Union erklärt, den Pharmastandort stärken zu wollen. Unternehmen wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim stoppten teils Investitionen oder stellen - wie Roche - künftige Ausgaben in Deutschland auf den Prüfstand. 

«Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat», sagte jüngst Daniel Steiners, Deutschlandchef von Roche, der «Welt». Das Unternehmen beschäftigt mehr als 18.000 Menschen hierzulande, etwa in Mannheim und Ludwigsburg, und baut seinen Standort im bayerischen Penzberg aus.

Im operativen Geschäft profitierte Roche zuletzt von einer starken Nachfrage nach Medikamenten, nachlassendem Druck im Diagnostikgeschäft und günstigen Wechselkursen. Von Januar bis September setzte Roche weltweit 46,5 Milliarden Franken (rund 50,4 Mrd Euro) um, ein Plus von einem Prozent, wie Roche mitteilte. Zu konstanten Wechselkursen lag der Anstieg bei 6 Prozent. Gewinnzahlen legt Roche zu den ungeraden Quartalen nicht vor.