Richtungswahl in Berlin: Übernimmt die Linke das Rathaus?
Autor: Stefan Kruse, dpa
, Freitag, 18. Sept. 2026
Wohl noch nie war eine Wahl zum Abgeordnetenhaus im Stadtstaat Berlin so spannend wie dieses Mal. Verteidigt die CDU das Rathaus oder übernimmt erstmals die Linke? Eine Sache steht indes schon fest.
So spannend wie dieses Mal war der Wahlkampf für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wohl noch nie. Mit Linke, CDU, AfD und Grünen lagen gleich vier Parteien in den Umfragen lange relativ nahe beieinander, zuletzt kristallisierte sich ein Zweikampf zwischen Linke und CDU um Platz eins heraus. Mit Elif Eralp könnten erstmals die Linken in das Rote Rathaus einziehen. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers will das verhindern.
In den letzten fünf Erhebungen war zumeist die Linke (20-23 Prozent) knapp vorn, dicht gefolgt von der CDU (20-21 Prozent), bei einer Umfrage bestand Gleichstand. Die AfD lag stabil auf Platz drei (17-18 Prozent) vor den Grünen (15-16 Prozent). Keine Chance auf den Wahlsieg hat nach Umfragelage wohl die SPD (10-12 Prozent).
Der Wahlausgang am Sonntag ist also völlig offen. Allerdings steht fest, dass Berlin einen neuen Regierenden Bürgermeister oder eine Regierende Bürgermeisterin bekommt. Denn Amtsinhaber Kai Wegner (CDU), der seit April 2023 an der Spitze eines schwarz-roten Senats steht, verzichtete im Juli auf die Spitzenkandidatur. Grund waren immer neue Enthüllungen und Debatten über falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement bei einem Stromausfall im Januar. In der Kritik stand er auch wegen eines Tennismatches in jener Zeit.
Rückschläge für Regierungsparteien
Da im Wahlkampf praktisch nur noch darüber diskutiert wurde, mit wem Wegner damals wann telefonierte oder SMS austauschte, und die CDU in den Umfragen an Boden verlor, wuchs der Druck. Der 53-Jährige warf als Spitzenkandidat hin und wurde kurzfristig gegen Finanzsenator Evers (46) ausgetauscht. Regierender Bürgermeister bleibt Wegner bis zur Bildung eines neuen Senats.
Doch auch die SPD erlebte im Wahlkampf einen schweren Rückschlag. Mitten in der heißen Wahlkampfphase sah sich Spitzenkandidat Steffen Krach (47) in der Vorwoche mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover konfrontiert, die mit seiner früheren Tätigkeit als Regionspräsident in Niedersachsens Hauptstadtregion zu tun haben. Nach Angaben der Ermittler geht es unter anderem um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen, selbst Krachs Wohnung in Berlin wurde durchsucht. Er weist alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Nur noch Bündnisse dreier Parteien möglich
Basierend auf den Umfragen haben die bisherigen Koalitionspartner CDU und SPD zusammen keine Mehrheit mehr. Nur noch Dreierbündnisse scheinen möglich. Als realistische Optionen gelten Koalitionen aus Linke, Grünen und SPD oder aus CDU, Grünen und SPD. Im neuen Senat, der Berliner Landesregierung, dürften Grüne und SPD also selbst bei mäßigen oder schlechten Wahlergebnissen vertreten sein. Mit der AfD und deren Spitzenfrau Kristin Brinker (54) möchte keine andere Partei zusammenarbeiten.
Mega-Thema Mieten
Wichtigstes Thema im Wahlkampf ist die Wohnungs- und Mietenpolitik. Wohl in keiner anderen Stadt wird so heftig darüber diskutiert, wie der seit Jahren anhaltende starke Anstieg vor allem der Angebotsmieten gestoppt oder zumindest gebremst werden kann. Dabei spielen auch mögliche Enteignungen eine Rolle. Bei einem Volksentscheid 2021 hatten gut 59 Prozent dafür gestimmt, Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen gegen eine Entschädigung zu vergesellschaften. Umgesetzt wurde das bisher nicht.