Panzerbauer Rheinmetall erschließt Weltall als Geschäftsfeld
Autor: Wolf von Dewitz, dpa
, Dienstag, 06. Oktober 2026
Panzer, Artillerie und Munition, mit solchen Rüstungsgütern macht Rheinmetall Milliardengeschäfte. Inzwischen richtet die Firma ihren Blick auch gen Weltraum, um ihr Produktportfolio zu erweitern.
Der Panzerbauer Rheinmetall hat mit der Serienproduktion von Satelliten begonnen, um sein Produktportfolio zu erweitern und alle Ebenen des modernen Gefechtsfeldes abzudecken. Die Fertigung in Neuss sei erfolgreich angelaufen, teilte das Unternehmen mit. Nach Vorarbeiten samt Planung und Aufbau sei man in die industrielle Umsetzung übergegangen.
Es geht um SAR-Satelliten, die zusammen mit dem finnischen Unternehmen Iceye gebaut werden. Die «Synthetic Aperture Radar»-Technologie liefert auch bei Nacht und schlechtem Wetter präzise Aufnahmen von Truppenbewegungen und Stellungen des Feindes. Dabei wird Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt, um relevante Informationen herauszufiltern und aufzubereiten. Hersteller ist die Rheinmetall Iceye Space Solutions GmbH, an der Rheinmetall 60 Prozent hält.
Pro Jahr sollen etwa 50 Satelliten hergestellt werden; Anfang 2027 soll der erste Neusser Satellit mit einer Trägerrakete von SpaceX in den Orbit gebracht werden und dort seine Bahnen ziehen. Die SAR-Satelliten sind 3,3 Meter Lang und 0,8 Meter breit, sie wiegen rund 220 Kilogramm. Die Fläche der Antenne umfasst circa 2,6 Quadratmeter. «Der erfolgreiche Produktionsanlauf in Neuss zeigt, dass wir nicht nur innovative Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in Deutschland skalieren können», sagt Rheinmetall-Chef Armin Papperger.
Mit den Satelliten stößt Rheinmetall in einen neuen Geschäftsbereich vor. Der Rüstungskonzern stellt seine Produktpalette möglichst breit auf, um den Bedarf von Nato-Armeen weitgehend zu decken und Konkurrenten nicht zum Zug kommen zu lassen. So hat Rheinmetall einen Schiffsbauer gekauft und ein Werk für Flugzeug-Bauteile in Weeze am Niederrhein eröffnet. Außerdem hat die Rüstungsfirma ihre Drohnenproduktion ausgeweitet.
Satelliten werden für die Bundeswehr reserviert
Beim Satelliten-Geschäft werden Radaraufnahmen verkauft, die Nato-Armeen bei der Lageeinschätzung helfen sollen. Es geht besonders um die Nato-Ostflanke und damit auch um Unterstützung der Bundeswehr-Brigade in Litauen. Mit der Bundeswehr hat die Rheinmetall-Tochter einen mehrjährigen Vertrag mit einem Wert von circa 1,7 Milliarden Euro plus Erweiterungsoption. Schon jetzt bekommt die deutsche Armee Aufnahmen von Satelliten, die Iceye noch ohne Zutun von Rheinmetall gebaut und in das Orbit hat bringen lassen.
Bald verbessern sich die Möglichkeiten für die Bundeswehr. Denn gleichzeitig zum Start der Serienproduktion gab Rheinmetall bekannt, dass die deutsche Armee exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von Satelliten gebucht habe - die Radarsysteme dieser Flugkörper werden künftig ausschließlich von der Bundeswehr genutzt. Dadurch muss die deutsche Armee nicht mehr warten, bis einer der Satelliten frei ist für die gewünschte Aufnahme.
Das Neusser Werk baut Rheinmetall derzeit um. Früher wurde der Standort für die Produktion von Autoteilen genutzt. Diesen schwächelnden Konzernbereich hat Rheinmetall inzwischen verkauft. Das Neusser Werk wurde aber im Konzern gehalten, um dort Drohnen, Gefechtstürme und Satelliten zu fertigen.