Rettet Trump das WEF? Spannendstes Davos-Treffen seit Jahren
Autor: Benedikt von Imhoff und Theresa Münch, dpa
, Sonntag, 18. Januar 2026
Die Bedeutung des Treffens in den Schweizer Bergen schien zu schwinden. Auch wegen der Querelen um den Rücktritt von Gründer Schwab. Doch diese Woche dürfte Davos der heißeste Ort der Erde sein.
Die globalen Krisen verdichten sich in dieser Woche auf einen einzigen Ort: Nicht Washington, Brüssel oder Berlin, sondern ein kleiner Skiort in den schneebedeckten Schweizer Alpen wird zum Hotspot der Welt. In Davos beginnt an diesem Montag die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF). Der Kongress in dem beschaulichen Städtchen dient als Fieberthermometer der Weltpolitik. Ob Ukraine oder Iran, Grönland oder Venezuela - am Rande des WEF werden die drängenden Themen diskutiert und verhandelt.
Das liegt vor allem an einem Teilnehmer: Donald Trump. Am Mittwochnachmittag will sich der US-Präsident an die rund 3.000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft wenden. Davor sorgt der Republikaner aber einmal mehr mit neuen Zöllen gegen Europäer für Wirbel.
Im Konflikt um Grönland kündigte Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social am Samstag Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie würden zunächst ab dem 1. Februar 10 Prozent auf alle Waren betragen. Ab 1. Juni sollen sie auf 25 Prozent klettern.
Dieser Zoll sei fällig, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei, betonte Trump. Er hatte mehrfach klargemacht, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse.
Dies dürfte für zusätzlichen Zündstoff auch in Davos sorgen. Denn mindestens ebenso wichtig wie Trumps Rede auf der Bühne des Kongresszentrums dürften die Gespräche dahinter werden. Mit seinen verwinkelten Gängen und vielen kleinen Räumen wirkt das WEF geradezu prädestiniert für eine wortwörtliche Hinterzimmerpolitik. Schwere Sicherheitsvorkehrungen und die Abgeschiedenheit der Luxushotels im Ort verstärken solche Möglichkeiten.
Trumps vierter Auftritt in Davos
Trump kommt bereits zum dritten Mal als Präsident zum WEF, im vergangenen Jahr ließ er sich nur Tage nach seiner Vereidigung digital zuschalten. Das kann auf den ersten Blick überraschen: Der 79-Jährige gehört nicht zu den «Davos Men». Die «Männer von Davos», wie sie der US-Politologe Samuel Huntington vor mehr als 20 Jahren beschrieb, sind Verfechter der Globalisierung, wollen nationale Grenzen und die Logik der Politik mit der Macht des Marktes ersetzen. Trump hingegen gefällt sich vor seinen Anhängern in der Rolle des Globalisierungskritikers und Ultranationalisten.
Aber Trump schmeicheln auch die Aufmerksamkeit und die Nähe von Einfluss, Macht und Geld, wie Analysten betonen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Hunderten Spitzenpolitikern und Topmanagern zu stehen, dürfte dem US-Präsidenten gefallen. Dass er auch noch eine ranghohe Delegation mitbringt, zu der Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick ebenso gehören wie die Sondergesandten und Top-Verhandler Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, dürfte die Aufregung noch verstärken. Mit einem «USA House», das in einer Kirche untergebracht ist, gibt es einen Anlaufpunkt außerhalb der inneren Sicherheitszone.