Gibt es einen Ukraine-Gipfel am Rande?
Bereits vor Beginn des Treffens ist klar: Trump wirkt wie ein Magnet auf Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Aus Deutschland reisen außer Bundeskanzler Friedrich Merz und seinem Stellvertreter und Finanzminister Lars Klingbeil weitere Kabinettsmitglieder an.
Erwartet wird, dass es am Rande der Tagung zu mehreren bilateralen Treffen kommt - und vielleicht sogar zu einem Ukraine-Gipfel mit Trump, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den Europäern um Merz und den französischen Staatschef Emmanuel Macron. Man hofft auf die Zustimmung des US-Präsidenten zu Sicherheitsgarantien.
Sorge um das transatlantische Verhältnis
Das Ergebnis: völlig unklar. Jedes Treffen mit Trump und seinen Mitarbeitern gilt als riskant. Vizekanzler Klingbeil drückte gerade bei einem Besuch in Washington die «große Sorge» der Bundesregierung um das transatlantische Verhältnis aus. Diskussionen würden immer schwieriger, die Differenzen immer größer. Für Deutschland sind die USA unter Trump nicht mehr nur Handelspartner, sondern Konkurrenten.
Die ständige Unsicherheit erfasst nicht nur Deutschland und viele EU-Staaten, wie der Risikobericht des WEF zeigt. Demnach gilt eine «geoökonomische Konfrontation» mit Abstand als größte Gefahr für die Welt. Darunter versteht das WEF den «Einsatz wirtschaftlicher Hebel durch globale oder regionale Mächte zur Neugestaltung der wirtschaftlichen Interaktionen zwischen Nationen». Das klingt ziemlich genau wie eine Zusammenfassung von Trumps Politik mit hohen Zöllen und Drohungen gegen Alliierte.
«Im Geiste des Dialogs»
Aus Sicht des WEF ist Davos der beste Ort, um solche Konflikte zu besprechen und möglichst auch zu lösen. Entsprechend lautet das Motto «A Spirit of Dialogue», also in etwa: «Im Geiste des Dialogs». Wobei viele Analysten angesichts von Trumps Brachialkurs zweifeln, dass der US-Präsident dasselbe Verständnis von Dialog hat wie seine Gesprächspartner. Bereits im November berichtetet die «Financial Times», dass die Organisatoren Trump mit der Zusage geködert hätten, «woke» Themen wie Gleichberechtigung, Inklusion oder Klimawandel anders als sonst keinen großen Raum zu geben.
WEF-Retter Trump?
Egal, was in Davos am Ende besprochen wird: Allein mit seiner Präsenz könnte Trump, der sich als «Anti-Davos-Man» verkauft, zu einer Art Retter des WEF werden.
Durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkung auf die Globalisierung sowie den Ukraine-Krieg spielte die Weltpolitik in den vergangenen Jahren nämlich zuvorderst auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Zuletzt gab es dort einen aufsehenerregenden Auftritt von Trumps Vizepräsident JD Vance.
Als dann im Frühjahr 2025 noch Vorwürfe für Aufregung sorgten, WEF-Gründer Klaus Schwab und seine Ehefrau hätten sich finanziell und ethisch falsch verhalten, schien die Zukunft des Kongresses in den Schweizer Bergen plötzlich unsicherer denn je.
Doch die Lage hat sich beruhigt. Im August teilte das WEF nach einer Untersuchung mit: «Es gibt keine Hinweise auf ein schwerwiegendes Fehlverhalten von Klaus Schwab.» Der 87-Jährige, über Jahrzehnte das Gesicht des WEF, spielt zwar keine führende Rolle mehr, doch war rehabilitiert - und spätestens mit Trumps Zusage dann auch das Treffen in Davos.
War der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz 2023 noch der einzige Regierungschef eines G7-Mitglieds beim WEF, sind nun sechs der sieben mit ihrem wichtigsten Vertreter dabei. Sicher auch, weil die Krisen der Weltpolitik wie Fäden in Davos zusammenlaufen.