Berichterstatter spüren das gesellschaftlich rauer werdende Klima und die Folgen internationaler Konflikte. Die Journalistenorganisation RSF legt ihren Bericht zur Lage der Pressefreiheit vor.
Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert Einschüchterung und Gewalt gegen Journalisten in Deutschland. Zugleich werde auch eine Delegitimierung journalistischer Arbeit von vielen Reportern als große Bedrohung für den Journalismus wahrgenommen, heißt es in dem Bericht «Nahaufnahme» zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland, den die Organisation in Berlin vorlegte.
Die zunehmende Polarisierung und ein rauer werdendes gesellschaftliches Klima führten dabei zu Sicherheitsrisiken, vor allem auf Demonstrationen sowie bei Recherchen und Filmaufnahmen in rechtsextremen Milieus.
«Reporter ohne Grenzen (RSF) hat insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen dokumentiert und verifiziert. Im Vorjahr lag die Zahl bei 89. Am häufigsten waren Attacken in Form von Tritten und Schlägen», heißt es in dem Bericht. Vereinzelt seien auch Angriffe durch Sicherheitskräfte oder aus der linksextremen Szene gemeldet worden.
Gewalt vor allem bei politischen Veranstaltungen
Die meisten der 49 für das Jahr 2025 verifizierten körperlichen Angriffe und Sachbeschädigungen ereigneten sich demnach in Berlin (20), gefolgt von Sachsen (9), Sachsen-Anhalt (5), Nordrhein-Westfalen (4), Hessen (4), Niedersachsen (3), Hamburg (2), Thüringen (1) und Bayern (1). Zudem gab es 6 Cyberattacken.
Übergriffe gab es vor allem bei Demonstrationen, Parteiveranstaltungen oder Protestaktionen. Aus dem rechtsextremen Milieu seien 18 gewaltsame Übergriffe gekommen. In 11 Fällen seien Medienschaffenden auf Palästina-solidarischen Demonstrationen von Teilnehmern angegriffen worden.
Journalisten-Verband DJV sieht vor allem Solo-Reporter gefährdet
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rät Medienschaffenden dazu, Vorort-Recherchen über Demonstrationen und Veranstaltungen extremistischer Gruppierungen nur im Team durchzuführen. Das gelte insbesondere für freie Journalistinnen und Journalisten, die häufig als Solo-Reporter unterwegs seien.
Der DJV-Bundesvorsitzenden Mika Beuster nannte auch die Notwendigkeit eines umfassenden Schutzes durch die Polizei. Zudem müsse es eine Risikominimierung vor Ort geben. «Es ist gefährlich, allein zu recherchieren und zu fotografieren. Dieses Risiko darf niemand eingehen.»