Rente als «Basisabsicherung»: Ostdeutsche Politiker warnen
Autor: Verena Schmitt-Roschmann und Sebastian Fischer, dpa
, Mittwoch, 22. April 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner Ansage zur Altersvorsorge einige Unruhe ausgelöst. Vor allem in Ostdeutschland ist zusätzliches Sparen seltener.
Die gesetzliche Rente als «Basisabsicherung»: Das von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vertretene Konzept weckt in Ostdeutschland Widerspruch. «Viele Menschen sind dort auf die gesetzliche Rente existenziell angewiesen, weil ihnen oft die Möglichkeiten zur zusätzlichen Vorsorge gefehlt haben», sagte der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) dem «Stern».
Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) hatte schon in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass in Ostdeutschland Stand heute 75 Prozent der Menschen nur über die gesetzliche Rente fürs Alter abgesichert sind. In Westdeutschland sind es 52 Prozent. Generell zeigt die Statistik: Wer wenig verdient, hat wenig Spielraum für zusätzliche Vorsorge und muss eher auf die gesetzliche Rente zählen. Das gilt auch im Westen.
«Ausgewogener Reformmix»
Bundeskanzler Merz hatte am Montag beim Bundesverband deutscher Banken gesagt: «Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter.» Der CDU-Chef verwies dabei auf die Notwendigkeit zusätzlicher Altersvorsorge.
Voigt zufolge braucht es «einen sensiblen und ausgewogenen Reformmix». Es gehe darum, die gesetzliche Rente verlässlich zu stärken und zugleich zusätzliche Vorsorge zu eröffnen – «ohne diejenigen zu überfordern, die dafür kaum Spielraum haben».
Löhne im Osten niedriger
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), argumentiert ähnlich. «Niemand darf die besondere Bedeutung der gesetzlichen Rente für die Menschen in Ostdeutschland verkennen», sagte sie dem «Stern». Sie verwies auf die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Nach offizieller Statistik verdienen Vollzeitbeschäftigte im Westen brutto rund 17 Prozent mehr als im Osten.
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek vermutet bei Merz eine Wohltat für die Versicherungswirtschaft, die private Altersvorsorge anbietet. «Wer allerdings dafür unter die Räder gerät, sind Millionen jetzige und zukünftige Rentner, die sich die private Vorsorge nicht leisten können, weil sie am Ende des Monats keinen Cent übrig und keinen ausreichenden Zugang zu Betriebsrenten haben.»
Viele würden gerne mehr zurücklegen
In einer Yougov-Umfrage für den Versicherungskonzern Axa sagten 50 Prozent von 2.044 Erwachsenen, sie wollten mehr für den Ruhestand sparen, könnten es sich aber nicht leisten - etwa wegen gestiegener Preise. 51 Prozent der Befragten verlassen sich nicht ausschließlich auf die gesetzliche Rente. 35 Prozent sagten, sie sähen die Hauptverantwortung für die Altersvorsorge beim Staat. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen waren es 40 Prozent.