Rekordhalbjahr - Aber Konsumflaute bremst Inlandstourismus
Autor: Christian Ebner, dpa
, Dienstag, 11. August 2026
Im Juni gab es in deutschen Hotels weniger Übernachtungen – vor allem inländische Gäste blieben aus. Im Halbjahr bleibt die Branche aber trotz mieser Konsumlaune halbwegs auf Kurs.
Nach einem starken Jahresstart hat der Deutschland-Tourismus im Juni einen deutlichen Dämpfer erhalten. Die Hotels und andere Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten meldeten in dem Monat 48,9 Millionen Übernachtungen. Das waren 2,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Auf das erste Halbjahr gesehen liegt das Geschäft aber gerade noch auf Rekordkurs.
Zumindest ein Teil der Erklärung der Juni-Zahlen dürfte der verschobene Pfingsttermin sein, der im Vorjahr komplett im Juni lag und wie immer starken Reiseverkehr ausgelöst hat. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sieht aber auch die eingetrübte Konsumlaune und schlechte Verkehrsverbindungen als Probleme für den Tourismus, der immerhin knapp vier Prozent der deutschen Brutto-Wertschöpfung erbringt.
Vor allem Gäste aus dem Inland kamen im Juni seltener: 41,2 Millionen Übernachtungen bedeuteten einen Rückgang um 3,6 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste stieg hingegen um 1,6 Prozent auf 7,7 Millionen.
Halbjahr bleibt knapp auf Rekordkurs
223,8 Millionen Übernachtungen in den ersten sechs Monaten bedeuten einen Zuwachs von 0,3 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2025. Diese hatte den bisherigen Rekord für das erste Halbjahr mit 223,1 Millionen Übernachtungen markiert. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland ist mit 0,5 Prozent zuletzt etwas stärker gestiegen als bei den Inländern mit 0,3 Prozent.
Die persönliche wirtschaftliche Unsicherheit auch infolge der internationalen Spannungen dämpft in breiten Bevölkerungsgruppen die Reiselust. Bei einer Umfrage Ende April/Anfang Mai im Auftrag des BTW erklärten 40 Prozent, im laufenden Jahr bei Reisen zu sparen. 22 Prozent verzichteten zumindest teilweise auf Urlaubsreisen.
Besonders betroffen sind ältere Menschen und Haushalte mit niedrigem Einkommen. «Wenn Menschen Angst um ihren Job oder ihr Einkommen haben, verzichten sie irgendwann auch auf Reisen und Genuss», sagt BTW-Präsident Sören Hartmann.
Deutschland als sicheres Reiseziel
Mit 36,4 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste zum Halbjahr wird das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise aber weiterhin nicht erreicht. In der ersten Jahreshälfte 2019 waren rund 3,4 Millionen Übernachtungen mehr registriert worden.