Der Finanzminister äußert sich zu Warnungen vor einer Knappheit bei Kerosin. Die Wirtschaftsministerin meldet sich auch zu Wort. Am Montag gibt es ein Treffen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigt für den Fall eines Kerosinmangels Gegenmaßnahmen an - warnt aber zugleich vor Alarmismus. «Alarmismus bei Kerosin hilft nicht», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Die Versorgungslage in den jeweiligen internationalen Märkten sei unterschiedlich.
Das Bundeswirtschaftsministerium nehme die Sorgen der Luftfahrtbranche ernst, sagte Reiche. Luftverkehr sei für Wirtschaftsstandort Deutschland wesentlich, um internationale Konnektivität und zeitkritischen Gütertransporte zu gewährleisten.
Luftfrachtunternehmen haben bereits eine bevorzugte Versorgung gefordert, sollte es Engpässe geben. «Wir kommen möglicherweise in eine Situation, dass in Deutschland Kerosin zugeteilt werden muss, wie es in Italien bereits der Fall ist», sagte Claus Wagner, Vorsitzender des Verbands der Air Cargo Abfertiger Deutschlands (Vacad), der «Welt». Christopher Stoller, Präsident des Aircargo Club Deutschland (ACD), sagte, wenn Kerosin knapp werde, sei eine vorrangige Versorgung der Luftfrachtlogistik ökonomisch zwingend. «Der Luftfrachtsektor fungiert als kritisches Rückgrat globaler Lieferketten und industrieller Wertschöpfung.»
Reiche betonte, es gebe einen engen und ständigen Austausch mit den Akteuren der Branche, um mögliche Auswirkungen auf die Luftfahrt in Deutschland zu beobachten und zielgerichtete Gegenmaßnahmen schnell zu ergreifen, wenn sie nötig werden. «Für Montag hat mein Haus gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium alle Stakeholder – Versorger, Flughäfen, Airlines und Verbände - zu einem Gespräch eingeladen.»
Äußerungen von Klingbeil
Zuvor hatte sich Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) geäußert und Maßnahmen gegen einen von der Internationalen Energieagentur prognostizierten möglichen Kerosinmangel gefordert. «Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen», sagte der SPD-Chef dem «Spiegel». «Für mich ist klar: Wir sollten nicht nur das Preisproblem angehen, sondern müssen jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick haben.»
Zwischen Klingbeil und Reiche war es bereits zu Auseinandersetzungen gekommen. Reiche hatte Vorschläge Klingbeils zu Entlastungen der Verbraucher angesichts der hohen Spritpreise scharf kritisiert. Klingbeil wiederum hatte Reiche vor einem Ausbremsen der Energiewende gewarnt.
Nationale Reserve
Reiche sagte: «Ich halte nichts davon, jedes Szenario öffentlich zu diskutieren.» Es gelte, sorgfältig und überlegt zu handeln. Im Rahmen der Beteiligung an den Freigaben der Internationale Energieagentur hatte sich laut Ministerin die Bundesregierung entschlossen, die Mengen in mehreren Chargen zunächst bis Ende April anzubieten, um flexibel auf die zukünftige Marktentwicklung reagieren zu können. Dabei seien neben Rohöl und Diesel bereits 50.000 Tonnen Jet-Treibstoff freigegeben worden.