Gegenwind für Teilzeit-Vorstoß aus der Union
Autor: dpa
, Montag, 26. Januar 2026
Weil Fachkräfte fehlen, will der Wirtschaftsflügel der Union den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Der Vorstoß löst eine Debatte aus und trifft auf Kritik, teils auch aus den eigenen Reihen.
Der Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, trifft von vielen Seiten auf Unverständnis und Kritik. «Die CDU ist nicht klug beraten, wenn sie ständig verkündet, dass die Menschen in Deutschland nicht genug arbeiten», sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig der Zeitschrift «Stern».
Es gebe ganz unterschiedliche Gründe, warum Menschen in Teilzeit gehen. «Der Staat sollte hier nicht zwischen guten und schlechten Gründen unterscheiden», sagte die SPD-Politikerin. Stattdessen sei es wichtig, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise Pflege und Beruf zu verbessern. «Dann werden sich mehr Menschen für eine Vollzeitstelle entscheiden.»
Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer drückte im Deutschlandfunk sein Unverständnis aus: «Von Lifestyle-Arbeitnehmern sehe ich wenig in Deutschland und in meinem Land Rheinland-Pfalz, sondern ich sehe ganz viele Menschen, die gucken, dass Arbeit, Familie und alles, was ihnen wichtig ist, zusammenpasst.»
Beschäftigte leisteten 2023 rund 1,3 Milliarden Überstunden
Das zeigten auch veröffentlichte Zahlen. So seien 1,3 Milliarden Überstunden im Jahr 2023 registriert worden. Das seien Menschen in Vollzeit oder Teilzeit, «die Überstunden leisten, weil sie richtig fleißig sind». Die Unterstellung aus der Union, «dass wir ein Volk der faulen Arbeitnehmer sind, hat ebenfalls mit den Realitäten nichts zu tun», sagte Schweitzer.
«Tatsächlich ist es so: Viele Menschen, insbesondere Frauen und ältere Menschen, sind unfreiwillig in Teilzeit», weil die Rahmenbedingungen nicht stimmten oder das Unternehmen die benötigte Personal- und Arbeitszeitpolitik nicht anbieten könne.
Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, sagte der «Rheinischen Post»: «Das Recht auf Teilzeit abschaffen zu wollen, ist der nächste Tiefpunkt einer Debatte, die mit der Lebensrealität der Menschen nichts zu tun hat.» Millionen Frauen arbeiteten nicht freiwillig weniger, sondern weil unter anderem unbezahlte Sorgearbeit und fehlende Kinderbetreuung ihnen keine andere Wahl ließen. «Wer dieses Recht infrage stellt, betreibt Gleichstellungspolitik rückwärts und zementiert alte Rollenbilder.»
Wirtschaftsflügel der Union will Anspruch auf Teilzeit einschränken
Der Wirtschaftsflügel der Union will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken, wie aus einem Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervorgeht.