Reiche geht mittelfristig von sinkenden Strompreisen aus
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Mittwoch, 05. August 2026
Vor allem die Industrie klagt über im internationalen Vergleich hohe Strompreise. Ministerin Reiche hat Reformen eingeleitet. Wann wirken sie?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche rechnet mittelfristig mit sinkenden Strompreisen in Deutschland. «Spürbare Entlastungen werden wir erst in den 2030er Jahren sehen», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
Sie wies außerdem Kritik zurück, mit ihren Reformplänen werde die Energiewende ausgebremst. «Die Energiewende wird nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit für die Bürger, der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeld zusammenkommen.»
Der Bundesverband Kooperierender Mittelstand, der Unternehmensgruppen, Franchise-Systeme und Genossenschaften vertritt, verlangte schnellere Entlastung bei den Strompreisen. «Bäckereien, Händler, Dienstleister und viele andere mittelständische Unternehmen müssen ihre Stromrechnung heute bezahlen - nicht erst in zehn Jahren», so der Verband. Die Bundesregierung müsse die Stromsteuer nun für alle senken.
Reformvorhaben
Das Kabinett hatte eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie ein Netzpaket auf den Weg gebracht. Reiche sagte, die Energiewende solle kosteneffizienter werden, weil steigende Energiepreise den Wirtschaftsstandort Deutschland belasteten. Dazu kämen Belastungen im Haushalt. «Heute gibt der Bund für die EEG-Förderung 17 Milliarden Euro aus. Tendenz steigend», sagte Reiche.
Ohne Reformen würde die Belastung im Bundeshaushalt weiter wachsen. «Wir tragen bis heute die Folgen sehr weit zurückliegender Förderentscheidungen. Die teuerste EEG-Novelle war aus meiner Sicht jene aus dem Jahr 2014. Ihre Förderzusagen wirken über 20 Jahre nach - diese Last tragen wir bis heute.» Genau deshalb werde das EEG jetzt neu aufgestellt.
«Mein Ziel ist mehr Markt und weniger Dauerförderung.» Der EEG-«Förderberg» baue sich erst über viele Jahre ab, sagte Reiche. «Entscheidend ist, ihn nicht wieder so stark anwachsen zu lassen und neue Förderzusagen so auszugestalten, dass das EEG 2027 kosteneffizienter ist.»
Geplant ist zum Beispiel, dass ab 2027 neue Solaranlagen unter 25 Kilowatt installierter Leistung, vor allem kleine Dach-Photovoltaik, keine dauerhafte Förderung mehr bekommen.