Warum die deutsche Wirtschaft stärker wächst
Autor: Lea Winkler und Martina Herzog, dpa
, Donnerstag, 08. Oktober 2026
Iran-Krieg, Donald Trumps Handelspolitik, harte Konkurrenz aus China: Auch Deutschlands Wirtschaft leidet unter solchen Turbulenzen. Nun schlägt sie sich besser als erwartet - doch ist das von Dauer?
Trotz anhaltender Krisen mit globalen Auswirkungen wie dem Iran-Krieg korrigiert die Bundesregierung ihre Wachstumserwartungen für das laufende Jahr deutlich nach oben. Sie geht nun von einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent im laufenden Jahr aus. Im April hatte sie ihre Erwartungen noch zurückgeschraubt und mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet.
Warum die Lage besser ist als erwartet
Die Folgen des Iran-Kriegs und die stark gestiegenen Energiepreise hatten die Konjunktur zunächst deutlich belastet. Die deutsche Wirtschaft habe sich aber als widerstandsfähiger erwiesen als erwartet, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Als Grund für das Wachstum werden vor allem Exporte sowie staatliche Investitionen und höhere Verteidigungsausgaben genannt.
Der deutsche Außenhandel konnte demnach zeitweise sogar von weltweiten Engpässen profitieren: Käufer stockten angesichts des Konflikts in der Golfregion ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern auf, die in Deutschland produziert wurden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nannte Stahl, Dünger und Aluminium als Beispiele. Auch vom Boom künstlicher Intelligenz profitieren deutsche Zulieferer.
Bessere Zahlen auch für 2027 erwartet
Auch im kommenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft weiter wachsen. Für 2027 rechnet die Bundesregierung mit einem Plus von 1,1 Prozent. Bislang war sie von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen. Allerdings hänge die weitere Entwicklung wesentlich vom Verlauf der geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine ab. Für 2028 prognostiziert die Bundesregierung ein Wachstum von nur 0,6 Prozent.
Ende September hatten bereits führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,3 Prozent angehoben. Im Frühjahr hatten die Institute noch vor einem «Energiepreisschock» gewarnt. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs blieben jedoch geringer als zunächst befürchtet. Der Aufschwung stehe dennoch auf einem schmalen Fundament, hieß es.
Auch Reiche mahnte Reformen an, um das Wachstum zu sichern. «Ohne selbsttragendes Wachstum schaffen wir es nicht zurück an die Spitze, und ohne Wachstum werden die Verteilungskämpfe stärker.» Nur mit gutem Wirtschaftswachstum könne ein leistungsfähiger Sozialstaat erhalten bleiben. Sie nannte Bürokratieabbau, schnellere Unternehmensgründungen, Sozialreformen und niedrigere Energiepreise.
Sinkende Zuwanderung: Fachkräfte fehlen
Der Arbeitsmarkt bleibt ein Problem. Die Erwerbstätigkeit dürfte in den kommenden Jahren zurückgehen. «Bisher haben zusätzliche ausländische Beschäftigte den Rückgang der deutschen Beschäftigten aufgefangen. Das ist derzeit nicht mehr der Fall», sagte Reiche.