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Google-Daten im Fall Rebecca - Schwager suchte wohl nach bizarren Fessel-Praktiken


Autor: Dominik Jahn

Berlin, Dienstag, 23. Mai 2023

Eine Razzia im März hatte einen wichtigen Grund: Google-Daten. Jetzt ist klar, wonach die Polizei im Haus von Rebeccas Schwager Florian R. gesucht hat.
Vermisste 15-Jährige: Rebecca gilt seit vier Jahren als vermisst


Sie ist seit 2019 verschwunden - Rebecca Reusch. Die damals 15-Jährige soll am 18. Februar spurlos aus dem Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers verschwunden sein. Die Ermittlungen führt noch immer eine Mordkommission im Berliner Landeskriminalamt (LKA). Hauptverdächtiger nach all den Jahren bleibt Florian R. - Beweise gegen den Schwager gibt es aber keine. Doch nun sind neue Hintergründe zu dem mysteriösen Fall bekannt geworden.

Bereits Ende März 2023 war neue Bewegung in den Fall Rebecca gekommen. Die Ermittler durchsuchten erneut das Haus von Florian R., wie inFranken.de bereits ausführlich berichtet hat. Damals hielten sich die Verantwortlichen mit Aussagen zu den Gründen zurück. Jetzt gibt es die Erklärungen dazu. Und Google spielt dabei eine entscheidende Rolle. 

Darum spielt Google eine wichtige Rolle im Fall von Rebecca Reusch

Wie die Bild-Zeitung in einem aktuellen Artikel zum Fall Rebecca schreibt, führten die Fahnder bei der Razzia im Haus Akustikmessungen durch und durchsuchten die Räumlichkeiten "nach möglichen Strangulationswerkzeugen".

Einrichtung:  Landeskriminalamt Berlin (LKA)
Gründung: 1994
Hauptsitz:   Berlin-Tempelhof am Tempelhofer Damm 12 
Aufgaben: Ermittlungsführung und Leitlinienkompetenz der Verbrechensbekämpfung sowie die Kriminalprävention

Doch warum? Den wichtigen Hinweis und das Recht auf einen Durchsuchungsbefehl lieferte die Suchmaschine Google. Wie die Bild-Zeitung erfahren haben will, soll im Februar 2021 auf Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft Google in Dublin (Irland) einen USB-Stick mit den verschlüsselten Daten von Rebecca und dem beschuldigten Schwager übermittelt haben.

Die jetzt erhaltene Auswertung durch die Kriminaltechnik des Landeskriminalamts (LKA), veranlasste die Ermittler zu der Durchsuchung. Eine weitere entscheidende Rolle spielte dann das Fehlen eines Gürtels an einem Bademantel. Damals gab es auch dazu keine Äußerungen. Doch auch hier ist inzwischen klar, warum dieser Gürtel so im Fokus stand.

Schwager von Rebecca googelte auf Pornoseiten nach Fessel- und Strangulationspraktiken

Rebeccas Schwager Florian R. soll, so wird es auch im aktuellen Bild-Bericht beschrieben, bei seinen Aussagen im Verhör einer ganz entscheidenden Lüge überführt worden sein - durch Google. Dazu heißt es im Artikel, dass er immer wieder behauptet hätte, dass er "nach einer Betriebsfeier nach Hause kam und tief und fest geschlafen haben will, als die Schülerin das Haus verlassen habe". 

Die Google-Daten zeigen demnach: Das ist falsch. Das Benutzer-Protokoll soll deutlich machen, dass er zur besagten Zeit im Internet surfte. Dabei fiel den Ermittlern laut Artikel zudem auf, dass Florian R. vornehmlich auf Pornoseiten unterwegs war, bei denen es um Fesselsex und Strangulationspraktiken gegangen sein soll. 

Und damit wurde der fehlende Gürtel am Bademantel so interessant für die Polizei. Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte ein Ermittler: "Deshalb suchten wir im Haus gezielt nach Gegenständen wie lange Schnürsenkel, Stoff ummantelte Kabel, Hosen- und Bademantelgürtel, mit denen man Sex-Partner würgen kann." Mithilfe von DNA-Spuren wollte man den verdächtigen Schwager überführen. Ohne Erfolg. Der Gürtel blieb verschwunden. Einen Grund lieferte demnach die Familie.

Fall Rebecca Reusch: Der mysteriöse Bademantelgürtel bleibt verschwunden

Der Gürtel, so heißt es, sei zum Ziehen eines Bobbycars verwendet worden. Man habe ihn danach weggeworfen, weil er zu schmutzig war. Neue und konkrete Spuren zum Verbleib von Rebecca, konnte die Polizei bei ihrer Razzia schlussendlich nicht finden.

Ein Fahnder erklärt bei bild.de noch zur aktuellen Lage: "Die gesamte Familie redet mit keinem Ermittler mehr, hat sich vollkommen zurückgezogen." Außerdem gehen die ermittelnden Strafverfolgungsbehörden laut Bericht nicht davon aus, dass die Schülerin heute noch lebend gefunden wird.