Der Druck auf die Ex-RAF-Terroristen steigt
Autor: Thomas Strünkelnberg, Andreas Rabenstein und Lukas Müller, dpa
, Montag, 04. März 2024
Es geht Schlag auf Schlag: Die Polizei durchsucht ein Gelände und zwei Wohnungen nach den Ex-RAF-Terroristen. Die Polizei sei ihnen nahegekommen, sagt ein Staatsanwalt - und appelliert an die Männer.
Für den «Martin aus der Bauwagensiedlung», wie ein Staatsanwalt ihn nennt, könnte die Luft langsam dünn werden. «Martin» - so nannte sich der gesuchte Ex-RAF-Terrorist Burkhard Garweg (55), der vermutlich zeitweise in einem Bauwagen auf einem Gelände in Berlin-Friedrichshain lebte.
Doch die Polizei hat das Gelände und zwei Berliner Wohnungen durchsucht, der Bauwagen wurde abtransportiert für weitere Untersuchungen. Das bedeutet: Garwegs Umfeld sei weg, der Druck auf ihn steige, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Die Ermittler hätten ihm sein «Heim weggenommen, er sei höchstwahrscheinlich ohne Logistik unterwegs - und er sei «richtig auf der Flucht», was belastend sein könne. Der Staatsanwalt sagte, seine größte Sorge sei eine Kurzschlusshandlung. Er appellierte an Garweg, sich zu stellen, um eine mögliche Eskalation zu vermeiden.
Der Behördensprecher geht außerdem davon aus, dass die Ermittler dem Gesuchten nahegekommen sind: «Wir sind ganz gut dabei.» Bislang aber wurden weder Garweg noch der ebenfalls gesuchte Ernst-Volker Staub (69) gefasst.
Am vergangenen Montag war in Berlin die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette festgenommen worden. Die 65-Jährige sowie Garweg und Staub waren vor über 30 Jahren untergetaucht. Alle drei gehörten der sogenannten dritten Generation der früheren linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion an. Diese war über Jahrzehnte der Inbegriff von Terror und Mord in Deutschland. 1998 erklärte sie sich für aufgelöst. In der aktiven Terror-Zeit der dritten Generation wurden der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991) ermordet.
Längere Ermittlungen erwartet
In einer am Morgen durchsuchten Wohnung in der Berliner Corinthstraße trafen die Fahnder nach Angaben des federführenden Landeskriminalamts Niedersachsen zwar einen Menschen an, von den Gesuchten sei aber niemand dort gewesen. Am Nachmittag folgte ein weiterer Einsatz auf der Autobahn 5 südlich von Darmstadt, unter anderem waren Spezialeinsatzkräfte beteiligt, wie eine LKA-Sprecherin mitteilte. Demnach gab es zwar keine Verhaftungen oder Festnahmen, aber ein Camper wurde abgeschleppt. Details zu dem Fahrzeug nannte die Sprecherin nicht. Bereits am Sonntag waren in Friedrichshain zunächst das Bauwagen-Gelände und am Abend eine Wohnung durchsucht worden. Auch dabei hatte es keine Festnahme gegeben.
Nach Angaben einer LKA-Sprecherin lebte Garweg «mit hoher Wahrscheinlichkeit» eine Zeit lang in dem Bauwagen. Der Staatsanwalt erklärte, der Tarnname «Martin» sei ein Indiz dafür, dass auf dem Gelände viele die wahre Identität des Gesuchten nicht kannten. Ob Garweg oder auch Staub sich noch in Berlin aufhalten, ist laut Landeskriminalamt Teil der Ermittlungen. Am frühen Montagmorgen wurde der rund 8 Meter lange und 2,50 Meter breite, mit Blech verkleidete Bauwagen abgeschleppt. Er werde kriminaltechnisch untersucht, sagte die LKA-Sprecherin.
Die Berliner Polizei rechnet auf der Suche nach den Ex-Terroristen mit längeren Ermittlungen und weiteren Durchsuchungen. «Aufgrund sich durch die Ermittlungen des LKA Niedersachsen ergebenden Erkenntnissen werden die Maßnahmen im Stadtgebiet Berlins auch weiterhin andauern», sagte Polizeivizepräsident Marco Langner im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Sicherung von Beweisen brauche Zeit, um Spuren zu schützen. Deshalb könne die Arbeit der Polizei in den bisher durchsuchten Räumen nicht schnell beendet werden. Es sei davon auszugehen, dass die Gesuchten konspirativ vorgegangen seien, um Waffen und andere Dinge zu verstecken.