Waffen, DNA und Zeugen: Kann Klettes Schuld bewiesen werden?
Autor: Mirjam Uhrich und Helen Hofmann, dpa
, Dienstag, 28. April 2026
Nach mehr als einem Jahr Verhandlung zieht die Staatsanwaltschaft Bilanz. Was sie der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette vorwirft - und welche Strafe der Angeklagten droht.
Drei Maskierte richten Maschinenpistolen und eine Panzerfaust auf einen Geldtransporter. Schüsse fallen, ein Geschoss bleibt in der Rückenlehne des Fahrers stecken. «Das war einfach hochgradig gefährlich», sagt Staatsanwältin Annette Marquardt über den Überfall in Stuhr nahe Bremen im Juni 2015. Sie bleibt in ihrem Plädoyer dabei: Die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette habe mit ihren mutmaßlichen Komplizen - den ehemaligen RAF-Mitgliedern Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub - einen versuchten Mord begangen.
Das Trio soll von 1999 bis 2016 Geldtransporter und Kassenbüros überfallen und Millionen für das Leben im Untergrund erbeutet haben. Der Überfall in Stuhr steht seit Beginn der Verhandlung am Landgericht Verden im Fokus. War es ein Mordversuch oder nicht? Das Gericht kam im Laufe des Prozesses zu dem Schluss, dass es die Tat wohl nicht als versuchten Mord wertet. Stattdessen sprechen die Richter von einem sogenannten bedingten Tötungsvorsatz: Der Schütze soll den Tod des Opfers zumindest in Kauf genommen haben, habe die Tat aber nicht zu Ende gebracht.
«Delikte mit ganz erheblicher krimineller Energie»
Die Staatsanwaltschaft wirft der 67-Jährigen auch versuchten und vollendeten schweren Raub als «Mitglied einer Bande» vor. Außerdem legt sie der Angeklagten Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Am Mittwoch will sie ein konkretes Strafmaß fordern. Danach werden die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung erwartet. Das letzte Wort wird die Angeklagte haben, bevor das Gericht frühestens Ende Mai zu einem Urteil kommt. Daniela Klette droht eine jahrelange Haftstrafe - und ein weiteres Verfahren wegen Anschlägen während ihrer Zeit bei der RAF.
Laut Anklage soll die Deutsche 13 Überfälle mit Staub und Garweg in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein begangen haben. Im Laufe der Verhandlung stellte das Gericht die Verfahren zu fünf Taten ein, weil sie im Falle einer Verurteilung ohnehin nicht wesentlich ins Gewicht fallen würden. Von den beiden Männern fehlt bis heute jede Spur.
«Das sind Delikte mit ganz erheblicher krimineller Energie», sagt Marquardt und wendet sich direkt an die Angeklagte. «Sie haben die Taten in unerträglicher Weise bagatellisiert.» Eindrücklich beschreibt sie, wie schwerwiegend die Folgen für die Opfer der Raubüberfälle teilweise bis heute sind. Manche fanden demnach wegen erheblicher psychischer Probleme nie wieder in ihr altes Leben zurück.
Brisante Beweise in Klettes Wohnung
Die Festnahme von Daniela Klette nach Jahrzehnten im Untergrund war ein Coup für die Ermittler. Im Februar 2024 fanden Beamte «Claudia» - wie sie sich selbst damals nannte - mit ihrem Hund in einem 1,5 Zimmer-Appartment in Berlin. «Diese Wohnung war eine Asservatenkammer», berichtet die Staatsanwältin vor Gericht. «Dankenswerterweise hat Frau Klette nichts weggeworfen.»
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stellten die Ermittler brisante Beweise sicher - unter anderem eine Panzerfaust-Attrappe, mehrere Waffen und Munition. «Das, was gefunden wurde, war weder harmlos noch rentnerlike», betont Marquardt. Außerdem fanden die Beamten mehr als ein Kilogramm Gold und 240.000 Euro Bargeld, beides vermutlich Teil der Beute.