Preis-Explosion durch Tank-Regel - Expertin mit klarer Forderung
Autor: Strahinja Bućan, Alexander Milesevic, Agentur dpa
Deutschland, Mittwoch, 01. April 2026
Der Iran-Krieg lässt weltweit die Benzinpreise steigen. Tankstellen dürfen deshalb ab heute nur noch einmal pro Tag ihre Preise erhöhen. Ist es zur befürchteten Preisexplosion an Tag eins gekommen?
Update, 01.04.2026, 15.40: Neue Tank-Regel sorgt für Preissprung - Expertin mit klarer Forderung
Kam es zur erwarteten Preis-Explosion durch die neue Tank-regel? Die Preise für Super und Benzin an den deutschen Tankstellen sind nach Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Einschränkung am Mittag im Schnitt um knapp acht Cent auf den bisher höchsten Stand in diesem Jahr gestiegen.
Nach einer Auswertung des ADAC kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt um kurz nach 12 Uhr 2,175 Euro, 7,6 Cent mehr als kurz vor 12 Uhr. Der durchschnittliche Dieselpreis kletterte demnach von kurz vor bis kurz nach 12 Uhr um 7,5 Cent auf 2,376 Euro. Das lag auch deutlich über den morgendlichen Höchstpreisen am Vortag.
Neue Tankregel - Spritpreis auf Jahreshoch
Wegen des starken Anstiegs der Benzinpreise seit dem Beginn des Irankriegs hatte die Bundesregierung vergangene Woche eine an Österreich orientierte Regelung auf den Weg gebracht: Die Benzinpreise dürfen nun nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöht werden, Preissenkungen jedoch sind jederzeit erlaubt.
Der Autoclub ADAC und Tankstellenbetreiber bezweifeln, dass die Neuregelung einen großen Effekt haben wird. Die geringere Flexibilität der Mineralölkonzerne bei ihrer Preisgestaltung führe offenbar eher dazu, dass Unsicherheiten wie ein gegebenenfalls steigender Ölpreis vorweggenommen würden, kommentierte ein ADAC-Experte. "Inwiefern die Möglichkeit, Preise jederzeit zu senken, genutzt wird, ist fraglich."
Das Gesetz war am Dienstag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden und ist damit nunmehr in Kraft getreten. Verstöße gegen die neue Regel können mit einer Geldbuße bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Teil des "Kraftstoffmaßnahmenpakets" ist auch eine Verschärfung des Kartellrechts.
Ökonomin Schnitzer: Höhere Preise wirken lassen
Die Top-Ökonomin Monika Schnitzer hat sich indes gegen staatliche Eingriffe beim Spritpreis ausgesprochen. Stattdessen sollte man die höheren Preise wirken lassen, sagte das Mitglied des Konjunktur-Sachverständigenrats im ZDF-Morgenmagazin. Durch die Schließung der Straße von Hormus als Folgen des Iran-Krieges habe sich Öl verknappt, das müsse entsprechend eingespart werden. "Und da muss es eine Reaktion geben: Die Menschen müssen sich überlegen, wo ist es wirklich wichtig zu fahren, wo kann ich darauf verzichten, wo kann ich eine Fahrgemeinschaft bilden, wo kann ich vielleicht mal mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren", fügte die Wirtschaftsweise hinzu.
Das Preissignal müsse auch an die Wirtschaft weitergegeben werden, damit sie sich anpasse. "Wir müssen uns unabhängiger machen von diesen fossilen Energieträgern", sagte Schnitzer. Es sei erkennbar, "dass wir als wirklich beste Lösung aus dieser Situation heraus mit voller Kraft auf den Ausbau der Erneuerbaren setzen sollten." Seit Mittwoch gilt in Deutschland eine neue Regel für Tankstellen in Deutschland. Sie dürfen nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöhen, aber jederzeit senken. Experten bezweifeln, dass sich dadurch das Preisniveau verändert.