Post-Beschwerden mit Höchstwert - Anstieg um ein Viertel
Autor: Wolf von Dewitz, dpa
, Mittwoch, 08. April 2026
Das Paket ist angekommen, doch die Verpackung ist aufgerissen und der Inhalt kaputt - kein Einzelfall in Deutschland, wie Beschwerdezahlen zeigen. Den Zahlen zufolge wächst der Frust.
In Deutschland haben sich noch nie so viele Verbraucherinnen und Verbraucher über die Post und ihre Wettbewerber beschwert wie im vergangenen Jahr. Wie die Bundesnetzagentur mitteilte, gingen bei ihr 55.395 Beschwerden zu Postdienstleistungen ein und damit ein Viertel mehr als 2024. Damals waren es 44.406 gewesen.
Es geht um Briefe und Pakete, die beschädigt ankommen oder beim falschen Adressaten landen. Außerdem beschweren sich die Verbraucher, dass sie zu lange auf ihre Sendungen warten mussten. In einem kleinen Teil der Wortmeldungen geht es um Filial-Öffnungszeiten und um Briefkästen. Laut Bundesnetzagentur entfallen rund 90 Prozent der Beschwerden auf den Logistikkonzern DHL, der im Inland als Deutsche Post auftritt und Marktführer ist. Zu den Wettbewerbern gehört DPD.
Milliarden an Sendungen Jahr für Jahr
In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 9,4 Milliarden Briefe und 4,5 Milliarden Pakete verschickt, der Anteil der Beschwerden ist gemessen an dieser Gesamtmenge klein. «Die Postversorgung in Deutschland funktioniert sehr gut», teilt die Deutsche Post als Reaktion auf den Anstieg der Beschwerden mit. Auf eine Million transportierter Sendungen kämen etwa vier Beschwerden. «Das zeigt sehr deutlich, dass es kein strukturelles Qualitätsproblem gibt.» Man wisse aber, dass nicht immer alles zu 100 Prozent gelingen könne und nehme jede Beschwerde ernst.
Ein Teil der Beschwerden, die sich in den Einreichungen der Bürger auf die Post beziehen, betreffen nach Einschätzung des gelben Riesen ganz andere Firmen. So berichtet ein Firmensprecher von 800.000 sogenannten Fundbriefen. Das sind Briefe, die beim falschen Adressaten eingeworfen und von diesem dann zur Weiterbeförderung an sein richtiges Ziel in einen Post-Briefkasten geworfen wurden.
Diese 800.000 Fundbriefe seien von Zustellern eines Wettbewerbers falsch abgegeben worden und die Empfänger hätten irrtümlich angenommen, dass die Post den Fehler gemacht habe, so der Post-Sprecher. «Mutmaßlich wird es dazu etliche Beschwerden gegeben haben.»
Eine Zahl von selbst verursachten Fundbriefen - wie viele Briefe also Postler versehentlich in den falschen Briefkasten geworfen haben und diese Briefe dann über Post-Briefkästen zurück ins Zustellsystem kamen - nennt der Unternehmenssprecher nicht. Das könne natürlich auch passieren, diese Zahl erhebe man aber nicht.
Nachfrage wandelt sich: weniger Briefe und mehr Pakete
Das Beschwerdeniveau ist deutlich höher als noch vor einigen Jahren. 2021 waren bei der Bundesnetzagentur rund 15.000 Beschwerden eingegangen, 2022 schnellte der Wert auf rund 43.000 nach oben. Die Post sprach damals von «lokalen Problemen» und begründete dies mit einem hohen Covid-Krankenstand und einem angespannten Arbeitsmarkt. Es wurde aber auch Kritik laut, dass die Personaldecke zu dünn sei. Die Post betonte damals, geeignete Maßnahmen ergriffen zu haben, dennoch sanken die Beschwerdezahlen in den Jahren danach nicht wesentlich.