Polizei durchsucht bei RAF-Fahndung Wagenburg und Wohnung
Autor: Andreas Rabenstein, Linda Vogt, Mia Bucher und Michel Winde, dpa
, Montag, 04. März 2024
Nach der Festnahme der mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristin Klette sucht die Polizei nach Komplizen. Bei Durchsuchungen kommen die Ermittler zumindest einem der gesuchten Männer wohl recht nah.
Das Spezialeinsatzkommando (SEK) rückte mit gepanzertem Fahrzeug, Blendgranaten und viel Unterstützung an. Am frühen Sonntagmorgen durchsuchte die Polizei in Berlin Teile eines links-alternativen Bauwagengeländes - «im Zusammenhang mit der Fahndung» nach den gesuchten Ex-RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub (69) und Burkhard Garweg (55), wie das federführende Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen mitteilte. Schnell wurde klar, dass die Gesuchten nicht dort waren. Am Abend folgte ein weiterer Einsatz ebenfalls im Stadtteil Friedrichshain.
Wenige Tage nach der Festnahme der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette (65) in Berlin waren die Ermittler offenbar zumindest einem der Männer dicht auf der Spur: Sie gehen davon aus, dass Garweg eine Unterkunft auf dem durchsuchten Bauwagengelände genutzt hat. Ein Bauwagen-Container wurde beschlagnahmt. «Wir gehen davon aus, dass der Bauwagen-Container die Unterkunft von Burkhard Garweg gewesen ist», sagte eine LKA-Sprecherin der dpa.
Weitere Durchsuchung am Abend
Am Abend durchsuchten Polizisten nur etwa zwei Kilometer entfernt eine Wohnung in der Nähe des Boxhagener Platzes. Die Maßnahmen stünden in Verbindung mit der Suche nach Staub und Garweg, sagte eine LKA-Sprecherin der dpa. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet. «In der Wohnung wurde niemand angetroffen, folgerichtig gibt es dann auch keine Festnahme oder sonstige Dinge», sagte die Sprecherin am späten Abend. Ob Spuren gefunden wurden, die die Ermittler bei der weiteren Suche helfen könnten, sagte sie nicht.
Auf der Straße standen während des Einsatzes vermummte Zivilpolizisten und ein Panzerfahrzeug, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Mehrere Dutzend Schaulustige versammelten sich, um die Vorgänge zu verfolgen. Der Eingangstür wurde von uniformierten Polizisten bewacht.
Bauwagen wird untersucht
Der beschlagnahmte Bauwagen sollte abtransportiert und sorgfältig untersucht werden. Es sei unklar, wie lange das dauern werde, sagte die LKA-Sprecherin. Wie lange Garweg die Unterkunft auf dem Bauwagengelände genutzt haben könnte, sagte sie nicht. Der «Tagesspiegel» zitierte einen LKA-Sprecher, es sei ein «aktuellerer Zeitraum». Der «Spiegel» hatte zuvor berichtet, Garweg solle auf dem Gelände in einem Bauwagen gewohnt und sich dort oft aufgehalten haben.
Auf dem Bauwagengelände sind nach LKA-Angaben zehn Menschen angetroffen und zur Identitätsfeststellung vorläufig festgehalten worden. «Keine dieser Personen leistete Widerstand», teilte das LKA weiter mit. Um Festnahmen habe es sich nicht gehandelt. Letztlich seien alle wieder entlassen worden. Die Ermittler waren auch am Abend noch vor Ort. Gegen 20 Uhr betrat ein Polizist das Gelände erneut mit einem Hund, wie ein dpa-Reporter beobachtete.
Vor 30 Jahren untergetaucht
Staub, Garweg und Klette waren vor über 30 Jahren untergetaucht. Alle drei gehörten zur dritten Generation der früheren linksextremistischen Terrororganisation RAF, die sich 1998 aufgelöst hatte. In der aktiven Terror-Zeit der dritten Generation wurden der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991) ermordet.