Deutschland reißt mehrere Recyclingpflichten
Autor: Wolf von Dewitz, dpa
, Dienstag, 27. Januar 2026
Deutschland sieht sich gern als Recycling-Musterschüler. Zurecht? In einigen Müllkategorien sieht es tatsächlich gut aus, wie Behördenzahlen zeigen. In anderen Kategorien drückt hingegen der Schuh.
Deutschland kommt beim Plastik-Recycling voran, hat in anderen Abfallbereichen aber noch Defizite. Wie die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und das Umweltbundesamt mitteilten, stieg die Plastik-Recyclingquote erneut und liegt deutlich über der EU-Mindestvorgabe. Auch bei der Wiederverwertung von Papier und Pappe sowie bei Aluminium sieht es relativ gut aus, bei Glas, bei Getränkekartonverpackungen und sonstigen Verbundverpackungen hingegen schlecht - in diesen Bereichen werden gesetzliche Mindestvorgaben deutlich verfehlt. Ein Überblick über die Abfallmassen und damit verbundene Probleme.
Plastik
Ob Joghurtbecher, Trinkflaschen oder Aufschnitt-Schalen - wer einkauft, bringt meistens viel Plastik mit nach Hause. Firmen müssen für die Verpackungen ihrer Produkte eine Art Müllgebühr bezahlen - sie müssen im Rahmen des sogenannten dualen Systems einen Dienstleister wie etwa den Grünen Punkt beauftragen, der die Entsorgung und Verwertung des entstehenden Abfalls organisiert. Für diese dualen Systeme ist die Überwachungsbehörde Zentrale Stelle Verpackungsregister zuständig.
Im Jahr 2024 landeten über diese Systeme rund 1,1 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne, davon wurden rund 0,8 Millionen Tonnen recycelt. Es geht hierbei um das sogenannte werkstoffliche - also mechanische - Recycling. Der größte Teil des Rests wurde verbrannt, etwa in Kraftwerken und Zementfabriken.
Die Recyclingquote bei Plastik lag 2024 den Angaben zufolge bei 70,8 Prozent und damit 1,9 Prozentpunkte höher als 2023 und fast 30 Prozentpunkte höher als 2018. «Das ist eine extrem gute Leistung», sagt ZSVR-Chefin Gunda Rachut. Die weit verbreitete Annahme, dass fast alles im Gelben Sack verbrannt werde und sich die Mülltrennung daher gar nicht lohne, sei ein Mythos. Die EU-Mindestvorgabe von 63 Prozent beim Plastikrecycling übertrifft Deutschland deutlich.
Ein Grund für die steigende Quote ist moderne Technik. In den Sortier- und Verwertungsanlagen kann der Müll besser getrennt und aufbereitet werden als früher. Außerdem sind einige Verpackungen inzwischen so produziert, dass sie leichter wiederverwertbar sind - hierbei spricht man vom «recyclinggerechten Design». Allerdings trifft das längst nicht auf alle Verpackungen zu, 13 Prozent der Menge, die im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne landet, sind den Angaben zufolge nicht recyclingfähige Kunststoffverpackungen.
Ein Beispiel sind Süßigkeiten-Verpackungen mit mehreren Schichten, die den Inhalt vor Verblassen oder Hartwerden schützen. Aus Sicht von Verpackungsingenieuren ist so etwas ein kleines Meisterwerk. Es gibt aber einen dicken Nachteil: Die Plastikschichten lassen sich kaum oder gar nicht trennen, weswegen die Tüten in der Regel nicht wiederverwertet, sondern verbrannt werden.
Glas
Die leere Wein- oder Ölflasche zum Glascontainer zu bringen, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, könnte man meinen. Doch den Zahlen zufolge kommt es immer häufiger vor, dass so eine Glasfalsche eben nicht dort landet, sondern im Restmüll, wo sie nicht hingehört. Die Glas-Recyclingquote in Deutschland lag 2024 nur noch bei 82,9 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte niedriger als 2023. Der Abstand zum gesetzlichen Minimum von 90 Prozent ist groß.