Pistorius legt erste Militärstrategie vor: mehr Bundeswehr
Autor: Carsten Hoffmann, dpa
, Donnerstag, 23. April 2026
Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich die Sicherheitslage geändert. Streit mit den USA und nun der Iran-Krieg kamen dazu. Deutschland steckt den militärischen Kurs neu ab.
Mehr Soldaten, weitreichende Hightech-Waffen, Beobachtung aus dem All: Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Militärstrategie vorgelegt, die die Bundeswehr für mehr Abschreckung und notfalls auch den Abwehrkampf gegen Russland bereit machen soll. «Der Aufwuchs ist der wesentliche Schlüssel für die Maximierung unserer Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit», sagte der SPD-Politiker zu den Plänen. Diese sehen auch insgesamt mindestens 260.000 Männer und Frauen in der stehenden Truppe sowie eine voll ausgestattete Reserve mit 200.000 Soldaten vor.
Pistorius legte in Berlin mehrere Grundsatzdokumente vor, die in Details zu Waffensystemen und der künftigen Struktur der Bundeswehr weitgehend geheim bleiben. Mit der ersten Militärstrategie der Bundeswehr überhaupt wird die Bedrohung benannt. Ein Plan für die Streitkräfte («Fähigkeitsprofil») beschreibt, was die Streitkräfte für die Aufgabe benötigen. Er informierte auch über eine Strategie der Reserve sowie eine sogenannte Entbürokratisierungsagenda.
Die Militärstrategie beschreibt Russland als absehbar größte Bedrohung für die Sicherheit in Europa. «Es bereitet sich durch seine Aufrüstung auf eine militärische Auseinandersetzung mit der Nato vor und sieht den Einsatz militärischer Gewalt als legitimes Instrument zur Durchsetzung seiner Interessen», schreibt der Minister in einem Begleittext zu dem Dokument.
Er bekräftigt: «Wir entwickeln die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas. Kurzfristig erhöhen wir unsere Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit, mittelfristig streben wir einen deutlich übergreifenden
Fähigkeitszuwachs an und langfristig werden wir technologische Überlegenheit herstellen.»
Bedrohungslage: Russland schafft Voraussetzung für Angriff
Schwerpunkt der Militärstrategie ist es, Bedrohungen aus Russland zu begegnen. Das Land bewerte den Westen grundsätzlich als feindlich und stelle den Beitritt demokratischer Staaten zur Nato als Einkreisung dar. Eine Umkehr dieser Entwicklung sei für Moskau zentrales Ziel.
Dazu wolle Russland den Zusammenhalt im Bündnis schwächen und eine Entkopplung der USA von Europa erreichen. Ziel sei ein Scheitern der Nato und die Ausweitung der russischen Einflusssphäre in Europa.
«Russland schafft die Voraussetzungen für einen militärischen Angriff auf Nato-Staaten», heißt es in einem Dokument zur Militärstrategie. Das Land führe bereits jetzt hybride Operationen gegen die Nato-Staaten durch, darunter auch Deutschland.