Pisa-Studie: Schüler-Vergleich mit Schock-Ergebnis - Streeck sieht Grund
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Deutschland, Dienstag, 08. Sept. 2026
Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sind niederschmetternd. Wo Fachleute Reformbedarf sehen und was der Bayern schon in die Wege geleitet hat.
Schüler in Deutschland schneiden in der neuen Bildungsstudie Pisa so schlecht ab wie noch nie. Die getesteten 15-Jährigen hätten "die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt", berichtete Studienleiter Samuel Greiff. Jedem dritten Jugendlichen fehle grundlegende Kompetenz in Lesen und Mathematik, jedem vierten in Naturwissenschaften. Gut jeder Fünfte habe in keinem der drei Felder "ausreichende Basiskompetenzen", warnte Greiff.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte den Befund bei der Vorstellung in Berlin besorgniserregend. Die bayerische Kultusministerin und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz, sagte: "Ein desaströses, aber nicht überraschendes Ergebnis." Beide betonten, dass nach Weckrufen durch andere Bildungsstudien schon gegengesteuert werde, unter anderem mit dem Start-Chancen-Programm für Schulen und dem geplanten Kita-Gesetz. Ziele sind Sprachtests im Kindergarten, verbesserter Grundschulunterricht und mehr Ressourcen für Schulen in benachteiligten Vierteln. "Wir fangen nicht bei Null an", sagte Stolz. Aber es brauche "einen langen Atem".
Deutschland bei Pisa-Studie so schwach wie nie - Werte niedriger als 2000
Bayern habe bereits nach den letzten Ergebnissen umgehend gehandelt, sagte sie und will den eingeschlagenen Weg deshalb weitergehen. "Unser Kurs steht: früh hinschauen, gezielt fördern und die Basiskompetenzen kraftvoll stärken." Die Basiskompetenzen Deutsch und Mathematik müssten wir ins Zentrum gerückt werden.
Bei der internationalen Pisa-Vergleichsstudie unter dem Dach der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden seit dem Jahr 2000 etwa alle drei Jahre 15-Jährige in zahlreichen Ländern getestet. 2025 nahmen rund 6700 Schüler in 250 Schulen in Deutschland teil, weltweit waren es mehr als 760.000. Die erste Pisa-Studie im Jahr 2000 hatte für Deutschland so schlechte Ergebnisse gebracht, dass intensive Bildungsreformen begannen - der sogenannte Pisa-Schock. Nach einem Zwischenhoch in den Nullerjahren liegen die Werte jetzt noch niedriger.
Insgesamt erreichten die in Deutschland getesteten Schüler 2025 in Naturwissenschaften im Durchschnitt 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. 2022 waren es 492 in Naturwissenschaften, 480 im Lesen und 475 in Mathematik. "Erneut haben sich die Pisa-Ergebnisse in Deutschland verschlechtert", sagte Co-Autor Francesco Avvisati. "Immer mehr junge Leute liegen mit 15 noch unter dem Grundkompetenzniveau. Sie verlieren die Neugier und zunehmend auch den Glauben daran, dass sich Bildung lohnt."
Deutschland im Durchschnitt
Wie in vielen anderen Ländern stehe Bildung im Gegenwind, sagte Avvisati. "Besonders deutlich zeigt sich der Ansatz beim Lesen. Junge Leute lassen sich leichter in die Irre führen, weil sie zu hastig lesen." Sie investierten zu wenig Zeit, sie "überfliegen statt zu verstehen, und die Antwort ist schnell, aber falsch".
Selbst mit den gesunkenen Punktzahlen liegt Deutschland etwa beim Durchschnitt aller teilnehmenden OECD-Staaten. Auch in anderen OECD-Staaten zeige sich ein Negativtrend, allerdings falle der in Deutschland besonders deutlich aus, erklären die Studienmacher.