«Pink Tax» - Warum Frauen manchmal mehr zahlen müssen
Autor: Carla Benkö, dpa
, Mittwoch, 06. März 2024
Ein ähnliches Produkt, zwei Preise - nur weil das eine rosafarben und das andere blau ist. Das ist nur ein Beispiel für die sogenannte Pink Tax.
Die Produkte unterscheiden sich häufig nur in Design und Verpackungsgröße - eines ist auf eine weibliche Zielgruppe ausgelegt, das andere auf eine männliche - dennoch müssen Frauen tiefer in die Tasche greifen. Diese Preisdifferenzierung nach Geschlecht nennt man «Gender Pricing» oder auch «Pink Tax». Übersetzt heißt das in etwa «geschlechtsspezifische Preisgestaltung» oder «pinke Steuer». Dabei handelt es sich aber nicht um eine Steuer, sondern um einen Aufpreis, den Firmen auf weiblich vermarktete Produkte schlagen.
Frauen haben eine höhere Zahlungsbereitschaft
«Unter Pink Tax versteht man, dass die quasi gleichen Produkte in anderer Aufmachung für Frauen und Männer unterschiedlich teuer verkauft werden», sagt Armin Valet, Abteilungsleiter Ernährung und Lebensmittel in der Verbraucherzentrale Hamburg.
«Unternehmen gehen davon aus, dass Frauen für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen eine höhere Zahlungsbereitschaft als Männer haben», sagt Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. Ihm zufolge legen Firmen daher vor allem bei Kosmetik, Dienstleistungen wie Friseurbesuchen und Kleidung unterschiedliche Preise fest, um mehr Gewinn zu erzielen.
Diese Bereitschaft, mehr zu zahlen, werde teilweise schamlos ausgenutzt, sagt Valet. «Zum Teil liegt da schon eine Diskriminierung in dem Sinne vor, dass Aufmachung und Marketing Frauen zum Kauf von teureren Produkten verleiten, obwohl sich diese kaum von der Männervariante unterscheiden.»
Hier zahlen Frauen häufig mehr
Demnach sind Produkte aus dem kosmetischen Bereich wie Cremes, Rasierutensilien, Beautyprodukte und auch Parfüm mit am häufigsten von der «Pink Tax» betroffen, aber auch Dienstleistungen wie Friseurbesuche oder Textilreinigungen. So würden Frauen beispielsweise bei Kurzhaarschnitten beim Friseur oder der Reinigung von Blusen (im Vergleich zu Hemden) benachteiligt.
Die Verbraucherzentrale Hamburg führt seit 2015 immer wieder Marktchecks zum «Gender Pricing» durch. Die aktuellste Stichprobe von Februar 2023 habe «etwas Anlass zur Hoffnung gegeben», schrieb die Verbraucherzentrale. Demnach kosteten Einwegrasierer erstmals seit Beginn der Untersuchungen in der Variante für Frauen genauso viel wie in der für Männer. Rasierschaum hingegen sei immer noch in vielen Fällen teurer geblieben und auch bei Parfüms konnten weiterhin Preisunterschiede festgestellt werden.
Eine kleine aktuelle Stichprobe der Verbraucherzentrale bestätigt die Erkenntnisse aus dem vorherigen Jahr. Demnach können die Preisunterschiede bei Parfüm und Rasierschaum immer noch bis zu 50 Prozent betragen. «In Bezug auf einzelne Warengruppen sehen wir da ein Problem, vor allem, weil das überhaupt nicht durch unterschiedliche Herstellungskosten begründbar ist», sagt Valet.