Eine nahe Anlaufstelle für Arzneimittel und Beratung ist vielen wichtig. Mehr und mehr Apotheken machen aber dicht. Setzt sich das auch 2026 fort - und wie entwickelt sich das Geschäft?
Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit 1977 gesunken. Ende März gab es bundesweit 16.541 Apotheken und damit 60 weniger als zum Jahreswechsel, wie aus Daten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hervorgeht. Die Branche macht angesichts steigender Betriebskosten Druck für lange ausgebliebene Honoraranhebungen. Die Pharmaindustrie warnt vor getrübten Geschäftsaussichten durch das geplante Sparpaket der Bundesregierung.
Seit Anfang Januar standen 19 Apotheken-Neueröffnungen 79 Schließungen gegenüber. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen es bis zu drei geben kann. Das Netz schrumpft damit weiter, nachdem es etwa 2022 noch bundesweit 18.000 Apotheken gegeben hatte.
Weitere Wege durch geschlossene Apotheken
Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, sagte: «Die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln ist zwar weiterhin gesichert, aber lange kann es so nicht mehr weitergehen.» Jede geschlossene Apotheke bedeute weitere Wege für Tausende Patienten. Der Sozialverband Deutschland warnte, ein weiterer Rückgang insbesondere in schon jetzt unterversorgten Regionen wäre eine klare Verschlechterung, etwa für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, für Ältere und Menschen mit Behinderungen.
Hubmann sagte, der seit Jahren andauernde Rückgang sei nur selten auf individuelle Fehlentscheidungen oder intensiveren Wettbewerb zurückzuführen, sondern liege an einer «chronischen Unterfinanzierung» der Apotheken.
Warten auf Honoraranhebung
Die Branche fordert denn auch schon lange, einen seit 2013 unveränderten Fix-Bestandteil des Honorars von 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro anzuheben. Union und SPD hatten das im Koalitionsvertrag vereinbart, stellten es jedoch wegen der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zurück - erwartete Mehrausgaben: rund eine Milliarde Euro. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte nun aber kürzlich an, die Erhöhung anzugehen. Die Apotheken monieren, dass es dafür immer noch keinen konkreten Zeitplan gebe und fordern die Anhebung jetzt spätestens zum 1. Juli 2026.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen bezeichnete die wirtschaftliche Situation der Apothekeneigentümer dagegen als «insgesamt ziemlich gut». Die stellvertretende Verbandschefin Stefanie Stoff-Ahnis sagte: «Die Versorgung durch Apotheken ist nicht weniger geworden, sondern hat sich durch die Entscheidung der Apothekeninhaber auf weniger Standorte konzentriert.»
Kassen: Apotheken-Vergütung steigt laufend
Der Umsatz steige schon allein aufgrund steigender Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kassen Jahr für Jahr, erläuterte Stoff-Ahnis. «Da ein Teil der Apotheken-Vergütung an den Medikamentenpreisen hängt, steigt auch die Vergütung der Apotheken laufend an.» Die Summe, die aus den Portemonnaies der Beitragszahler jährlich an die Apotheken gezahlt wird, sei von 5,6 Milliarden Euro 2013 auf 7,1 Milliarden Euro 2024 gestiegen - um 26 Prozent.