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Paukenschlag bei Volkswagen: Auto-Riese kündigt fast alle Tarifverträge


Autor: Agentur dpa

Wolfsburg, Mittwoch, 30. Sept. 2026

Der Streit zwischen Volkswagen und den Arbeitnehmern verschärft sich weiter: Der Automobilhersteller hat fast alle Tarifverträge aufgelöst. Die IG Metall spricht von einem "üblen Foul".
Der Konflikt zwischen Volkswagen und der Arbeitnehmerseite spitzt sich zu: Der Autobauer hat zehn Tarifverträge gekündigt. Erste Folgen könnten VW-Beschäftigte bereits Anfang 2027 spüren.


Im Bemühen um strengere Sparmaßnahmen hat Volkswagen einen Großteil seiner Tarifverträge aufgekündigt – darunter auch den bedeutenden Manteltarifvertrag. Laut Unternehmen müssen verschiedene Regelungen in diesen Verträgen angesichts des aktuellen Kostendrucks angepasst werden, teilte VW nach einer Besprechung mit Arbeitnehmervertretern in Hannover mit.

Ein Sprecher wollte sich zur genauen Anzahl der gekündigten Verträge nicht äußern. Der IG Metall zufolge handelt es sich um zehn.

VW: Preis- und Wettbewerbsdruck erheblich erhöht

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nach Angaben von Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen, für die Automobilindustrie und somit auch für Volkswagen erheblich verschärft. "Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa", teilte Meiswinkel mit. Das erhöhe den Preis- und Wettbewerbsdruck erheblich. Die Maßnahmen aus dem Zukunftsplan 2030 müssten daher schnell und konsequent umgesetzt werden.

Mit der fristgerechten Kündigung zum 31. Dezember 2026 will das Unternehmen einen Verhandlungsraum schaffen. Der Manteltarifvertrag bündelt zahlreiche grundlegende Regelungen für die mehr als 100.000 Beschäftigten in Deutschland. Insgesamt besteht der VW-Haustarif aus 13 einzelnen Verträgen. Sie regeln unter anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und Zulagen.

Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag 2024 und die darin vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet mit "heftiger Auseinandersetzung"

Erste Konsequenzen könnten VW-Mitarbeiter nach Angaben der Arbeitnehmer ab Januar 2027 spüren. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten Widerstand an. "Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen", teilte Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger mit. Das werde man nicht akzeptieren. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnete mit einer "heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel".

Am Mittwoch trafen sich Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch. Die Arbeitnehmer, die das Treffen ursprünglich einberufen hatten, verlangten Klarheit darüber, ob und wie VW die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag von 2024 einhält. Diese Abmachungen sahen sie angesichts der deutlich verschärften Sparpläne in Gefahr. Das Management wollte im Gegenzug erklären, warum die damals vereinbarten Einsparungen aus seiner Sicht nicht mehr ausreichen.

Der Tarifabschluss 2024 war hart erkämpft worden. Erst nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten gab es eine Einigung. Der Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 VW-Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Außerdem wurden Boni und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen auf Eis gelegt. Europas größter Automobilhersteller verzichtet im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen - und sagte Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu.

Konzern steht vor historischem Umbau

Das Überprüfungsgespräch war das erste offizielle Treffen von Unternehmen und Arbeitnehmervertretern in größerer Runde seit dem Aufsichtsratsbeschluss Anfang September. Die Aufseher hatten sich angesichts der Probleme in der Branche auf einen "Zukunftsplan" des Vorstands geeinigt, der Volkswagen deutlich profitabler machen soll. Das Management um VW-Chef Oliver Blume hat seitdem ein Mandat, den Konzern umzubauen und Milliarden einzusparen.

Weltweit plant der Vorstand, in den kommenden Jahren unter anderem 50.000 Stellen abzubauen – zusätzlich zu bisherigen Abbauplänen im Konzern. Marken und Gesellschaften sind demnach beauftragt, dies auszuarbeiten. Die Hälfte könnte auf deutsche Standorte entfallen. Konkrete Programme müssen jedoch erst mit den Arbeitnehmern verhandelt werden. Darüber hinaus ist die Zukunft der VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus ungewiss.