Ostfriesland: Vergrabene Leiche bei Vermissten-Suche gefunden
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
26427 Holtgast, Mittwoch, 08. April 2026
Ermittler stoßen in Ostfriesland auf eine vergrabene Leiche. Der Mann soll durch "massive Gewalt" getötet worden sein. Wie die Spur zu einer Mutter und ihren zwei Söhnen führte.
Bei der Suche nach einem vermissten Mann haben Polizisten tagelang in Ostfriesland Grundstücke durchsucht und dabei auf einem Grundstück in der Gemeinde Holtgast (Landkreis Wittmund) die vergrabene Leiche eines Mannes gefunden, der durch "massive Gewalteinwirkung" gestorben ist. Bei ihm handele es sich laut Obduktion um den 59-jährigen Vermissten, teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Aurich mit.
Unter Verdacht steht demnach eine Familie, der die Grundstücke gehören. Drei Familienmitglieder wurden nach dem Leichenfund in der vergangenen Woche festgenommen: eine 60 Jahre alte Mutter und ihre zwei Söhne im Alter von 30 und 34 Jahren. Ein Haftrichter erließ Haftbefehl gegen den 30-Jährigen wegen Mordverdachts. Er kam in Untersuchungshaft.
Vergrabene Leiche bei Holtgast entdeckt - Opfer wurde monatelang vermisst
Die Mutter und der andere, 34 Jahre alte Sohn wurden wieder freigelassen, obwohl auch sie unter Verdacht stehen. Es besteht jedoch kein dringender Tatverdacht gegen sie. Bei dem 34-Jährigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen ehemaligen Polizisten. Zuerst hatte darüber die Ostfriesen-Zeitung berichtet.
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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten Angehörige den 59-Jährigen aus dem Sauerland bereits Anfang Februar 2024 als vermisst gemeldet. Demnach gingen Vermisstenanzeigen der Tochter und der Ehefrau des Mannes nahezu zeitgleich in Lüdenscheid, Chemnitz und Minsk in Belarus ein. Zunächst untersuchte die Polizei in Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen, wo der Mann lebte. Da sein letzter bekannter Aufenthaltsort im Landkreis Wittmund war, wurde dann die Polizei in Ostfriesland hinzugezogen.
Ermittlungen ergaben nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass der Mann kurz vor seinem Verschwinden Ende Januar 2024 von Minsk über Vilnius in Litauen, Warschau in Polen, Hamburg und Ostfriesland zu der Familie in Holtgast gereist war. Über diese Reiseroute habe er auch zu seiner Familie nach Belarus zurückkehren wollen – dort kam er jedoch nicht an.
War Habgier das Tatmotiv?
Die Polizei ermittelte: Wo war der 59-Jährige geblieben? Die Ermittlungen führten dann zu der Familie in Holtgast. Das Opfer und die nun verdächtigen Familienmitglieder sollen sich aus einer gemeinsamen früheren Zeit aus dem Sauerland kennen. "Der Vermisste hatte die Familie aus Holtgast in familiären Angelegenheiten unterstützt; er war der Betreuer des 34-jährigen Sohnes der Familie", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Warum der Sohn betreut wurde, dazu machten die Ermittler auf Anfrage keine weiteren Angaben.
Die weiteren Ermittlungen ergaben dann laut der Staatsanwaltschaft, dass der 59-Jährige während der Betreuung des Sohnes Gelder gegenüber der öffentlichen Hand veruntreut haben soll. Wegen der Untreue wurde gegen den Vermissten auch ermittelt. Er war zur Festnahme ausgeschrieben worden.