Ölpreis über 100 Dollar - Klingbeil: Sprit-Preistreiberei
Autor: dpa
, Montag, 09. März 2026
Öl ist inzwischen so teuer wie seit 2022 nicht mehr. Der Iran-Krieg lässt die Preise für Öl und Gas weiter steigen. Was passiert, wenn die G7-Staaten ihre Notreserven öffnen?
Der Iran-Krieg hat die Ölpreise über die Marke von 100 US-Dollar katapultiert und schürt Sorgen vor Rückschlägen beim Wirtschaftswachstum. Für Entspannung sorgte ein Bericht, wonach die G7-Gruppe der führenden westlichen Industriestaaten erwägen, ihre nationalen Erdölreserven einzusetzen, um den Preisanstieg am Ölmarkt zu bremsen. Eine Entscheidung darüber fiel nach Angaben des französischen Finanzministers Roland Lescure noch nicht. Derweil wirft Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) den Mineralölkonzernen Preistreiberei an den Tankstellen vor und will ein schnelle Handeln der Bundesregierung.
Der Anstieg der Ölpreise über 100 Dollar löste einen Ausverkauf an den Börsen aus - insbesondere an den asiatischen Börsen. Anleger sind besorgt, dass die Inflation steigt und die Konjunktur leidet, sollte sich der Ölpreis länger auf dem hohen Niveau bewegen.
Die Spritpreise legen am Montag erneut deutlich zu. Nachdem sich ihr Anstieg über das Wochenende verlangsamt hatte, beschleunigte er sich am Montag wieder, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Mit dem Gaspreis ging es ebenso weiter steil nach oben.
Klingbeil sieht Preistreiberei an den Tankstellen
Finanzminister Lars Klingbeil sieht den aktuellen Anstieg der Spritpreise als ungerechtfertigt an und will ein schnelles Handeln der Bundesregierung. Wie der SPD-Politiker in Brüssel bei einem EU-Finanzministertreffen sagte, könnten etwa die Transparenzpflichten für Mineralölkonzerne erhöht werden, um den Nachweis von Preistreiberei zu vereinfachen. Zudem warb er dafür, festzulegen, dass die Spritpreise nur noch einmal am Tag erhöht werden dürften. Dies könne sehr schnell ohne langwierigen Gesetzgebungsprozess umgesetzt werden, erklärte er.
«Wir sehen, dass eine Preistreiberei stattfindet, dass die aktuelle geopolitische Situation ausgenutzt wird, um die eigenen Gewinne nach oben zu schrauben», sagte er. Er halte es für unanständig, auf dem Rücken von Pendlerinnen und Pendlern, von Handwerksbetrieben und Beschäftigten die Gewinne zu maximieren. Da müsse die Politik zügig handeln. «Wir besprechen jetzt innerhalb der Bundesregierung die konkreten Maßnahmen», sagte er.
Höchster Stand seit dem Sommer 2022
Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Dann sank der Preis zwar, er lag im Vormittagshandel aber mit 107 Dollar immer noch 15 Prozent höher als am Freitag. Damit kletterte der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Start des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus auf fast 50 Prozent.
Angst vor längerer Sperrung der Straße von Hormus
Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus kam durch den Krieg faktisch zum Erliegen. Es gibt weiter keine Anzeichen für ein schnelles Ende des Kriegs. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump «nehmen die Risiken für ein längeres Andauern weiter zu», heißt es bei der Dekabank.