Öl und Gas im Iran-Krieg: Wie kommen Lieferungen ans Ziel?
Autor: Johannes Sadek, Arne Bänsch und Mathis Richtmann, dpa
, Dienstag, 17. März 2026
Nur noch eine Handvoll Schiffe durchfahren die Straße von Hormus jeden Tag. Welche Alternativen haben die Energie-Schwergewichte am Golf, um Kunden trotz des Kriegs zu beliefern?
Eine Seedrohne trifft den Öltanker, die Explosion reißt ein Loch in den Schiffsrumpf. Bald steigen hohe Flammen auf. Irans Angriff auf die «Safesea Vishnu» vor einigen Tagen ist nur ein Beispiel für die Gefahren, die im laufenden Krieg bei der Lieferung von Öl und Gas aus der Golfregion drohen. Welche Alternativen haben die betroffenen Länder, um ihre Lieferungen möglichst schnell ans Ziel zu bringen? Die wichtigsten Fragen:
Wie ist der Stand bei der Lieferung von Öl und Gas?
Die Lieferungen durch die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit den Weltmeeren verbindet, sind fast komplett zum Erliegen gekommen. 129 Schiffe passieren den Seeweg normalerweise im täglichen Durchschnitt, zuletzt waren es am Tag nur noch eine Handvoll. Mindestens 16 Schiffe wurden laut der britischen Seefahrts-Behörde UKTMO bereits angegriffen.
Für Energie-Schwergewichte wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar hat mit der faktischen Blockade der Straße von Hormus ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Sie müssen andere Wege finden, um Kunden zu beliefern und noch größere Umsatzeinbrüche zu verhindern. Saudi-Arabien verschifft eigentlich 80 Prozent seines Rohöls über die Straße von Hormus, die Emirate etwa 65 Prozent. Katar transportiert auf diesem Weg etwa 93 Prozent seines verflüssigten Erdgases (LNG).
Welche alternativen Lieferwege gibt es?
Der Fokus liegt nun vor allem auf zwei Pipelines: Saudi-Arabien betreibt die 1.200 Kilometer lange «Petroline», die von der riesigen Ölanlage Abkaik im Osten quer durch die Wüste führt zum Hafen Janbu im Westen am Roten Meer. Die Emirate haben ihrerseits eine 400 Kilometer lange Pipeline, die zum Golf von Oman führt, der etwas abseits der Straße von Hormus liegt. Diese beiden Pipelines sollen nun helfen, zumindest einen Teil des Öls umzuleiten.
Hilfreich könnte auch die Sumed-Pipeline weiter nördlich werden, die parallel zum Suezkanal in Ägypten verläuft und die das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet. Tankschiffe, die Öl am Hafen von Janbu laden, könnten es dann zu dieser 320 Kilometer langen Pipeline bringen und so helfen, die Liefer-Krise zu überbrücken. Für das Gas aus Katar, dem zweitgrößten LNG-Exporteur, gibt aktuell aber keine Alternative, um Weltmärkte zu beliefern.
Was sind die Hürden?
Die Umstellung von Schiffs- auf Pipeline-Transport ist beim Rohöl vor allem eine Frage der Kapazitäten. Die Pipelines in der Region können der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge nur etwa ein Viertel der etwa 20 Millionen Barrel Rohöl (je 159 Liter) transportieren, die sonst auf Tankern verschifft würde.
Für Lieferungen, die über das Rote Meer umgelenkt werden, lauern zudem neue Gefahren. Denn die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz griff seit 2023 im Zuge des Gaza-Kriegs immer wieder Handelsschiffe an. Auch hier brach der Handel ein. Bisher haben sie sich im Iran-Krieg zurückgehalten und nur erklärt, der Finger sei «am Abzug». Neue Angriffe sind aber auch hier möglich.