O2 Telefónica plant Streichung von mehr als 1.000 Stellen
Autor: dpa
, Donnerstag, 09. Juli 2026
Was Vodafone hinter sich hat, hat Konkurrent O2 Telefónica nun vor sich: Die Firma möchte Kosten senken und spart deshalb beim Personal. Das sei unumgänglich, betont das Management.
Der Handynetz-Betreiber O2 Telefónica möchte deutlich Stellen abbauen. Die Deutschlandtochter des spanischen Telefónica-Konzerns teilte auf Anfrage mit, dass sie sich in einer umfassenden Transformation befinde, mit der sie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern wolle. «Im Rahmen dieses Prozesses prüfen und beraten wir gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen verschiedene Maßnahmen.» Weiter wolle man sich nicht äußern.
Informierten Kreisen zufolge sollen mehr als 1.000 Stellen wegfallen. Damit würde etwa jede sechste bis siebte Stelle gestrichen. Im Januar hatte Telefónica Deutschland 6.820 Stellen. In den ersten Konzernbereichen wurden bereits Vereinbarungen geschlossen, damit Beschäftigte freiwillig gehen und eine Abfindung bekommen. Zuvor hatte «teltarif.de» berichtet.
Verlust von 1&1 wiegt schwer
Die deutsche Telekommunikationsfirma hatte vor einiger Zeit ihren größten Kunden verloren: Jahrelang hatte sich Wettbewerber 1&1 bei O2 Telefónica eingemietet und dafür Geld gezahlt, die 1&1-Kunden wurden mit dem O2-Netz verbunden. Doch 2024 wechselte 1&1 überraschend zum Wettbewerber Vodafone, bis Ende 2025 wurden rund 12 Millionen Handykunden vom O2-Netz auf das Vodafone-Netz umgebucht. Dadurch bekam O2 weniger Geld in die Kasse und der Betriebsgewinn sackte ab. O2 hat rund 18 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden, hinzu kommen noch Prepaid-Karten und Partnergeschäfte.
Wegen des 1&1-Abgangs fielen die Jahreszahlen für 2025 mies aus, der Umsatz von O2 Telefónica sank um 3,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sackte sogar um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro ab. Das erste Quartal brachte keine Besserung. O2 verkauft nicht nur Mobilfunk-Verträge, sondern auch Verträge für Festnetz-Internet. Dieses Geschäft spielt bei der Münchner Firma aber nur eine Nebenrolle, da sie keine eigenen Festnetz-Kabel hat. Vielmehr nutzt sie Anschlüsse der Konkurrenz und zahlt dafür Miete.
Spanische Eigentümer setzten einen Chefwechsel durch
Den Gegenwind am Mobilfunk-Markt bekam der langjährige O2-Chef Markus Haas zu spüren, er musste Ende 2025 seinen Posten räumen. Sein Nachfolger, der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse, soll den Laden auf Vordermann bringen und auch das schwache Firmenkundengeschäft ausbauen. Unlängst gab O2 zudem bekannt, dass der Vorstand von sieben auf sechs Posten verkleinert wird. Das wurde als eine Sparmaßnahme verstanden. Nun trifft eine Kostensenkungsmaßnahme einen großen Teil der Belegschaft.
Die Schwierigkeiten, die O2 gerade durchmacht, hat Konkurrent Vodafone hinter sich: Die Deutschlandtochter des britischen Vodafone-Konzerns sah sich in den vergangenen Jahren ebenfalls gezwungen zu sparen. Innerhalb von drei Jahren baute Vodafone in Deutschland rund 3.000 Stellen ab und liegt inzwischen bei gut 13.000.
Keine echte Wachstumsperspektive am deutschen Markt
Deutschlands Mobilfunk-Markt gilt als gesättigt, es wird also kein wesentliches Wachstum mehr erwartet. Die Menschen haben genug Handys und deutliche Preissteigerungen bei Monatstarifen sind kaum durchsetzbar. Tatsächlich wird das Preis-Leistungs-Niveau immer besser: Viele Anbieter teilen ihren Kunden ein immer größeres Datenvolumen zu, ohne an der Preisschraube zu drehen.