Adidas: «Sportromantiker» auf Wachstumskurs
Autor: MIchael Donhauser, dpa
, Mittwoch, 04. März 2026
Krisen hin, Zölle her - das Geschäft mit Turnschuhen und Sportkleidung läuft für Adidas. In den nächsten Jahren sollen die Umsätze um viele Milliarden klettern - nur der Aktienkurs schwächelt.
Wenn Björn Gulden bei Adidas auf die Bühne tritt, um die Ergebnisse des zurückliegenden Geschäftsjahres zu präsentieren, spricht er erst einmal nicht über Zahlen. «Ich bin ein Sportromantiker», sagt der Norweger und lässt statt einer Konzernbilanz erst einmal den Medaillenspiegel der zurückliegenden Olympischen Spiele an die Wand werfen.
Gulden präsentiert sich als jemand, der den Sport lebt und fühlt, hemdsärmelig und strebsam zugleich, als jemand, der den Bundeskanzler auf seiner China-Reise begleitet und mit jamaikanischen Topsprintern über die neuesten Spikes fachsimpelt - und genau deshalb als Manager des zweitgrößten Sportartikelherstellers erfolgreich sein kann.
«Das Einzige, was ich kann»
Vorzeitig hat der Aufsichtsrat den Vertrag des 60-Jährigen bis 2030 verlängert. «Sport ist das Einzige, was ich kann, warum sollte ich es nicht mehr tun», sagt Gulden dazu in dem typisch saloppen Tonfall, den er zu seinem Markenzeichen stilisiert hat. «So bald werdet ihr mich nicht los.» Auch aus dem Aufsichtsrat verkündete Adidas Neuigkeiten. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe soll an der Spitze des Gremiums vom ägyptisch-belgischen Milliardär und Anteilseigner Nassef Sawiris ersetzt werden. Springer-Chef Mathias Döpfner soll in das Gremium aufrücken.
Adidas hatte Gulden vom kleineren Lokalrivalen Puma geholt als Ersatz für den am Ende glücklosen Kasper Rorsted. Gulden hatte an der Puma-Konzernspitze zehn Jahre lang höchst erfolgreich gewirkt hatte. Kaum ist er dort weg, geht es Puma schlecht. Adidas verkündete für 2025 einen Rekordumsatz - Puma einen Rekordverlust.
Börsenkurs schwach
24,8 Milliarden Euro hat Adidas im Jahr 2025 mit seinem weltweit 64.000 Mitarbeitern erlöst, 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im laufenden Jahr will die Marke mit den drei Streifen noch einmal zwei Milliarden draufsatteln, in den Folgejahren soll es ähnliche Zuwächse geben. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1,377 Milliarden Euro. Dennoch reagierte die Börse verschnupft. Die Adidas-Aktie verlor am Mittwoch deutlich.
Die schwere Unternehmenskrise, als die Zusammenarbeit mit den Skandalrapper Rapper Kanye West eskalierte und die Trennung Milliardeneinbußen zeitigte, als Energieknappheit wegen des Ukraine-Krieges und China-Probleme zeitlich zusammenfielen, scheint überwunden. Gulden hat für Adidas das Verhältnis zu den Händlern verbessert und das Unternehmen wieder stärker als Sportunternehmen - weniger als Lifestyle- und Modeausstatter positioniert.
Baustelle USA
Dabei sieht Gulden auch in der Gegenwart durchaus noch Baustellen in seinem Konzern: Auf dem wichtigen US-Markt hat es zwar im vergangenen Jahr ein Wachstum um zehn Prozent gegeben, vor allem wegen besserer Preise. Doch scheint der Konkurrent Nike beinahe übermächtig, der Zugang zu werbeträchtigen Sport-Ikonen ist vielfach verbaut.